Wesel: Aus Australien zum Rastenburger-Treffen
zuletzt aktualisiert: 23.08.2010Wesel (RPO). Ein Quäntchen Wehmut blieb beim Gedanken an die alte Heimat nicht aus: Beim Hauptkreistreffen der Rastenburger gab es am Wochenende neben aller Wiedersehensfreude durchaus auch leise Zwischentöne. Als gestern in der Niederrheinhalle aus rund 400 Kehlen die Hymne der Ostpreußen erklang, versank manch einer in melancholischen Erinnerungen an die eigenen Wurzeln: "Land der dunklen Wälder und kristall'nen Seen, über weite Felder lichte Wunder geh'n..."
Zum 54. Mal waren aus der ganzen Republik, sogar aus Großbritannien und Australien die Rastenburger zum Hauptkreistreffen bei ihren "Paten", Kreis und Stadt Wesel, angereist. Nach den Kranzniederlegungen an der trauernden Vesalia und am Ehrenmal an der Schill-Kaserne sowie dem gemütlichen Abend am Samstag stand gestern das offizielle Hauptkreistreffen auf dem Programm.
Dabei nutzte Kreisvertreter Hubertus Hilgendorff die Gelegenheit, die Bedeutung und Verantwortung der Vertriebenen für die Bundesrepublik hervorzuheben "Die deutschen Heimatvertriebenen – Sie alle – haben beim Wiederaufbau der Bundesrepublik mitgewirkt", sagte er. Ohne Rachegelüste und ewig gestriger Vergeltungssucht, doch mit viel Tatkraft und dem Willen zum Neuanfang seien sie den Weg zu einem friedlichen, freiheitlichen Europa aktiv mitgegangen. "Seit Jahrzehnten sind wir die geborenen Brückenbauer", so Hilgendorff. Am Niederrhein hätten die Rastenburger einen fürsorglichen Paten gefunden; mit dem Kreis und der Hansestadt standen ihnen starke Partner auf dem Wege der Integration in der neuen Heimat bei.
Auch die Vertreter dieses "Patenonkels" freuten sich, die Rastenburger an Rhein und Lippe begrüßen zu dürfen, wie Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp betonte: "Sie kommen zusammen, um sich gemeinsam Ihrer Heimat zu erinnern." Der Blick zurück sei wehmütig und schmerzlich – "er kann aber auch stolz und zuversichtlich machen, wenn man nach dem Verlust der alten die neue Heimat mit aufgebaut hat."
Ziel: Erinnerung wachhalten
Neben aller Tradition und dem Miteinander bestehe aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung, sagte Westkamp. "Seit Ende des Zweiten Weltkriegs sind 65 Jahre vergangen. Und es werden naturgemäß immer weniger Zeitzeugen. Helfen Sie uns, die Erinnerung an die grauenhaften Geschehnisse des Krieges zu erhalten, damit derartiges nicht noch einmal geschieht."
Dem schloss sich auch der stellvertretende Landrat Heinrich-Friedrich Heselmann an. Gerade angesichts der Millionen, die heute auf der ganzen Welt von Flucht und Vertreibung betroffen sind, sei das Schicksal der Rastenburger in lebendiger Erinnerung zu halten, sagte er.
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