Schermbeck: Autos, die Geschichte erzählen
VON HELMUT SCHEFFLER - zuletzt aktualisiert: 07.07.2008Schermbeck (RPO). Zweiter Oldtimer-Tag auf dem Gelände der Arbeiterkolonie Lühlerheim lieferte zahlreiche Blickfänge. Besucher wie Teilnehmer kamen auf ihre Kosten. Tolle Atmosphäre: Sonne ließ das alte Blech blitzen.
Der „BAP“-Song „Verdammt lang her“, den der Leichlinger Automobil-Historiker Karlheinz Flach mehrfach erklingen ließ, passte zum zweiten Oldtimertag, den die „Oldtimerfreunde Schermbeck“ gestern auf dem Gelände der Arbeiterkolonie Lühlerheim veranstalteten. „Hier ist richtig was los“, entfuhr es dem Altschermbecker Leo Deiters beim Anblick der anrollenden Fahrzeuge. Petrus meinte es diesmal gut mit mit den Liebhabern alter Autos, Motorräder und Traktoren.
Strahlender Sonnenschein empfing die Fahrer, die geduldig vorm Einfahrtstor in langer Schlange warteten, bis ihnen ein Platz auf einer der beiden Picknick-Wiesen zugeteilt wurde. Ölkartons wurden bereitwillig unter die Motoren gelegt, um eine Verunreinigung zu verhindern. Für Besucher wurde der Fahrzeugpark zur glänzenden Geschichte der Motorisierung.
Einmalig
Die Schermbecker Oldtimerfreunde luden zu mehreren Geschicklichkeitsprüfungen ein.
Die „New Orleans Patent“ sorgte für fetzige Jazz-Rhythmen.
Ein Unikat dürfte wohl die 98-er „NSU-Quick“ mit Seitenwagen und Anhänger eines Östrichers aus dem Jahre 1936 sein.
Motorisierte Hochzeitskutsche
Oldtimer-Besitzer nutzten die Chance, sich ein noch nicht bekanntes Kapitel dieser Geschichte aufschlagen zu lassen, wobei sie in aller Regel über Erwerb, Alter und Umbauten ihrer „Schätzchen“ fachsimpelten. Der „Ford-A-Roadstar“, anno 1930, hatte der Erler Familie Borchers noch tags zuvor als Hochzeitsgefährt fürs Patenkind gedient. Der Bentley des Dorsteners Heinz-Georg Kohl, Baujahr 1923, gehörte zu den ältesten Autos. Ein Blickfang: der „Langonda 27“ eines englischen Paares. Im Pulk der Fahrer entdeckte man auch eine Reihe einheimischer Freaks. Der Dammer Hermann Göbel ließ seinen „Jaguar E-Type 2+2“ (1969) bestaunen, sein Nachbar Wilhelm Uhlenbruck einen „Volvo Amazon“ (1965). Der Schermbecker Willi Hüttemann reiste mit seiner BMW R 60/7 (1974) an. 1970 wurde der Opel GT des Dorsteners André Siemkes gebaut. Dirk Steffens 1,9 Tonnen schwerer „Ford Galaxie“ aus dem Jahre 1962 hatte mit stolzen 5,32 Meter Länge amerikanische Ausmaße. Über Spritverbrauch wollte der Fahrer nicht reden. Großes Interesse fand der Opel P1 aus dem Jahre 1959, mit dem der Weseler Norbert Kirsch da war. Zur Abteilung historischer Traktoren steuerte der Obrighovener Arnd Voß einen Hanomag anno 1954 bei, der Hünxer Rainer Böhm einen Lanz-Aulendorf anno 1957. Christel Grobe präsentierte mit ihrem Mann Rudolf einen „Kramer KA 15“, auf dem sie als Kind saß, wenn ihr Vater Heinrich Heine in Gahlen aufs Feld fuhr. Ob Cadillac-Stretch-Limousine, ob Vogelkäfig auf dem Dach eines Kölner Citroens oder ein „Tempo“-Dreirad aus Coesfeld: Es gab Foto-Motive zuhauf.
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