Wesel: Bahnstreik: Wesel kam noch gut weg
zuletzt aktualisiert: 16.11.2007Wesel (RPO). Amanda und Sabrina aus Voerde freuten sich. Die jungen Frauen, die in Wesel einen VHS-Kursus besucht hatten, fanden gestern Mittag einen Zug, der sie zurück nach Hause brachte. Das war kein Einzelfall. Der größte Bahnstreik, den Deutschland je erlebt hat, traf Wesel längst nicht so hart wie die Ballungszentren und Regionen im Osten. Nach Angaben von Bahn-Sprecher Jürgen Kugelmann verkehrte der Regional-Express RE 5 zwischen Wesel und Remagen. Bis nach Emmerich und Koblenz, wie sonst üblich, kam der Zug allerdings nicht durch. Die Regional-Bahn RB 35 (Duisburg-Oberhausen-Wesel-Emmerich) sei nach Plan unterwegs gewesen, sagte Kugelmann. Er wohnt selbst in Wesel und kam mit diesem Zug gestern um 3.42 Uhr zur Arbeit. Allerdings seien Zusatzverbindungen auf dieser Strecke am frühen Morgen ausgefallen, ergänzte er. Normal war laut Kugelmann auch der „Bocholter“ (RB 32) im Einsatz. Einziger Komplett-Ausfall sei der Zug nach Mönchengladbach (RB 33) gewesen – wie schon beim Lokführer-Streik am 25. Oktober.
„Ab acht Uhr lief alles nach Plan, in den Stunden davor ging es etwas schlechter“, sagte Christian Mysliwietz, Reiseberater am Bahnhof Wesel. Die Kunden hätten sich ruhig verhalten, niemand habe lautstark seinem Ärger Luft gemacht.
Deutlich weniger Pendler
Zwei Männer vom Ordnungsdienst berichteten, die Zahl der Pendler sei deutlicher geringer gewesen als üblich. Offenbar waren sie auf andere Verkehrsmittel umgestiegen. Insgesamt erlebte der Bahnhof Wesel einen ruhigen Tag.
Zu den Fahrgästen gehörte eine junge Frau aus Friedrichsfeld. Den Streik der Lokführer nannte sie „unmöglich“. Sie fürchtet um ihren Arbeitsplatz in der Gastronomie, sollte sie noch ein paar Mal zu spät kommen, weil Züge nicht fahren.
Heiner Neerfeld, Disponent der Weseler Spedition Dümmen, verzeichnet wegen des Streiks im Schienen-Güterverkehr nicht mehr Aufträge. „Die Bahn fährt doch fast nur Schüttgut, Stahl und Autos“, erklärte er dazu. Ärgerlich sei, dass die 36 Dümmen-Lkw in schier endlosen Staus auf den jetzt noch mehr belasteten Autobahnen steckten, so Neerfeld. So sieht es auch Wilhelm Duvenbeck, Disponent der Hamminkelner Spedition Kamps. „Was die Bahn transportiert, ist terminlich nicht so relevant“, sagte er. Lebensmittel kämen ohnehin schon zu 95 Prozent über die Straße.
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