Wesel: „Eine friedliche Welt schaffen“
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 10.11.2007Wesel (RPO). Würdige Erinnerung an 1938, als in Deutschland die Synagogen brannten, und ein Blick nach vorn auf ein ungezwungenes Miteinander der jungen Generation beim Pogromgedenken in der Musik- und Kunstschule.
Im Spannungsfeld zwischen Freude über das Wiedersehen mit einem dem Holocaust Entronnenen und Ernst im Gedenken der Opfer bewegte sich gestern Abend die Feier zur Pogromnacht in der Musik- und Kunstschule. Das Haus dessen Eleven Freundschaft zum Kibbuz Youth Orchestra aus Israel pflegen, bot den würdigen Rahmen für die Veranstaltung von Christlich-jüdischem Freundeskreis und Stadt. Wieder hatte der aus Wesel stammende Jude Ernest Kolman (81) es möglich gemacht, aus London an den Niederrhein zu kommen. Wieder war Günter Faßbender vom Freundeskreis ihm dankbar für die 1988 dargebotene Hand zur Versöhnung. Denn für ihn muss „die Aufgabe, eine friedliche Welt zu schaffen“ weitergehen. Faßbender setzt auf „das ungezwungene Miteinander“ der Musikschüler.
Kontakt zur Jugend
Der Xantener Autor Willi Fährmann las gestern vor Schülern der Stufe 7 im Konrad-Duden-Gymnasium aus seinem Buch „Es geschah im Nachbarhaus“.
Ernest Kolman ist am Montag dort bei jungen Leuten aus der Stufe 10 zu Gast.
Viel Stoff zum Nachdenken
Aus deren Reihen sorgten die Duos René Schoofs und Felix Raupp (beide Gitarre) sowie Lisa Mersmann und Tobias Plein (beide Voloncello) für die musikalischen Einlagen an einem Abend, der zum Nachdenken anregte. Lars Helmer, Chefdramaturg am Landestheater Burghofbühne hatte eine ungewöhnliche Lesung vorbereitet. Gedanken zum „vergessenen Anarchisten“ Erich Mühsam, der 1934 in Oranienburg ermordet wurde, gipfelten in dessen Gedicht „Ich bin ein Pilger, der seine Ziel nicht kennt“. Das Anderssein, die Assimilation und „die ewige jüdische Reise“ thematisierte er mit dem „Bericht“ von Franz Kafka. Auf eine ganz andere Ebene führte Helmer die Zuhörer mit einem Wechselspiel: Die von jungen deutschen Juden heute verfassten Hymnen zu Begriffen wie Mut, Worte und Vaterland unterbrach er mit Passagen aus dem Brief des 1950 geborenen Erziehungswissenschaftlers Dr. Vladimir Braganisky an Putin. Der Emigrant schildert ein verstörendes Bild von Deutschland, in dem Juden nicht leben könnten. Und er bittet den russischen Präsidenten, ihnen bei der Rückkehr zu helfen. Nicht eben leichte Kost also, die den Gästen beim Lichtergang zum Mahnmal am Dom zu denken gab.
Am Ausgang machte das Aktionsbündnis gegen Rechts darauf aufmerksam, dass am Dienstag im Arbeitslosenzentrum (Bismarckstraße 12) ab 19.30 Uhr der Film „Die neuen Nazis“ gezeigt wird.
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