Hamminkeln: „Kaputt repariert“
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 23.11.2007Hamminkeln (RPO). Vor gut einem Jahr hat Straßen NRW auf die Mehrhooger Straße (L 602) zwischen B 473 und Mehrhoog Splitt aufgetragen, um die Spurrillen einzuebnen. Inzwischen scheint die Straße schadhafter denn je. Politik ist sauer.
CDU-Ratsherr Peter Werner ist sauer und ratlos zugleich. „Die haben die Mehrhooger Straße kaputt repariert“, hat er bei Fahrten zwischen seinem Wohnort Mehrhoog in dem Rathaus festgestellt. Er ärgert sich jedes Mal maßlos, wenn er die Schilder am Wegesrand passiert, die ihn und alle anderen Autofahrer mahnen, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. „Gefährliche Fahrbahn“ steht schwarz auf weiß unter den rot umrandeten Schildern, die Tempo 50 oder 70 auf der geradlinigen Landstraße vorschreiben.
RP-Leserin Erika Ilgner-Komp aus Mehrhoog hat sich schon vor Monaten in der Redaktion gemeldet und beklagt, der neue Asphalt sei kaum kalt gewesen, da hätten sich die alten Spurrillen schon wieder aufgetan. „Die Schilder Tempo 70 bei Nässe sind gar nicht erst weggeräumt worden“, schildert Erika Ilgner-Komp eine Reparatur wie aus dem Schilda-Land. „Inzwischen darf man streckenweise sogar nur noch 50 oder 30 fahren, weil sich der Asphalt im Sommer verflüssigt hat“, sagt sie und ärgert sich: „Hier ist Steuergeld rausgeworfen worden.“
Daßhorst-Kreuzung
Beigeordneter Hans-Georg Haupt hat dem Eindruck widersprochen, dass mit einer Ampel an der Daßhorst-Kreuzung die Probleme längst gelöst seien.
Auch für die Ampel mit zusätzlichen Linksabbiegerspuren hätte die Stadt den gleichen schwierigen Grunderwerb tätigen müssen wie für den Kreisverkehr. Der Knoten ist bekanntlich gelöst, so dass der Weg frei ist für beide Optionen.
Die Polizei sei inzwischen auch auf den Kreisel eingeschwenkt, so Haupt. Straßen NRW favorisiert weiter die Ampel.
„Unfälle programmiert“
Auch Peter Werner schmerzt „das viele Geld, das unsinnig verpulvert“ worden sei und stellte dem Chef-Techniker Hans-Georg Haupt im Planungsausschuss die fast verzweifelte Frage: „Was können wir tun?“ Der Belag sei inzwischen so rutschig, dass „der nächste Unfall programmiert“ sei. „Gar nix können wir machen“, sagte Haupt lapidar. „Die haben kein Geld.“ Mit „die“ meinte der Beigeordnete Straßen NRW, das Haus, aus dem er einst ins Rathaus gewechselt ist. „Wenn wir denen Geld geben als Vorausleistung, würden die sofort was machen“, mutmaßte er und machte auf einen eigentümlichen Gegensatz aufmerksam.
Für Bundesstraßen sei der Topf noch üppig gefüllt für radikale Sanierung von Grund auf – ein Fakt, den niemand bestreitet. Als Beispiel führte Haupt die B 70 zwischen Wesel und Brünen an. Hier hatten sich bei Start der Baustelle verwunderte Autofahrer gemeldet, die den Sinn der umfangreichen Maßnahme nicht nachvollziehen konnten. Der Teufel stecke im Untergrund, erklärte Straßen NRW und verwies auf Bohrproben.
Für Landstraßen dagegen scheint Ebbe in der Kasse. Denn die Spurrillen auf der Mehrhooger Straße waren seit Jahren unübersehbar und gruben sich von Jahr zu Jahr tiefer in den Asphalt. Umso erstaunlicher, dass nur eine Bitumen-Emulsion aufgespritzt und abgesplittet worden ist – ein arg sparsames Verfahren. Der Effekt – die Fahrbahn wurde für kurze Zeit arg griffig, verbunden mit hohen Fahrgeräuschen – verpuffte innerhalb recht kurzer Zeit. Inzwischen ist die Straße teils schlechter als vorher. „Alle wissen das“, so Haupt. Doch keiner tut was. Noch nicht.
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