Wesel: „Scheußlicher Bluff“
zuletzt aktualisiert: 05.06.2007Wesel (RPO). Interview NL-Show um Nierenspende
Bluff im niederländischen Fernsehen: Die Show um eine Nierenspende war nur inszeniert. Darüber sprach RP-Redakteur Gerd Heiming mit Dr. Rüdiger Schmidt vom Evangelischen Krankenhaus Wesel. Er ist Chefarzt der Abteilung Nephrologie (Nieren- und Hochdruckheilkunde) und Dialyse.
Haben Sie die Sendung gesehen?
Schmidt Nein, und wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte, hätte ich darauf verzichtet. Denn ich habe es von vorneherein für unethisch und unmoralisch gehalten, mit dem Schicksal und dem Leid von Patienten zu spielen. Das ist ein scheußliches Unterfangen.
Dass alles nur ein Bluff war, macht die Sache nicht besser?
Schmidt Auf keinen Fall. Denn der Sender hatte nach meiner Überzeugung vor allem ein Ziel: Mit einer geschickten Strategie Quote zu machen. Das angebliche Ziel der Sendung, die Organ-Transplantation ins Bewusstsein zu rücken, war nur Mittel zum Zweck. Da sitzt eine Schauspielerin und gibt sich als Todkranke aus, die nach Gutdünken eine Niere vergibt – das ist unerträglich und wird dem extrem sensiblen Thema Organspende nicht gerecht.
Welchen Weg gehen Sie?
Schmidt Unser Ziel am Evangelischen Krankenhaus ist es, mit Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz etwas zu erreichen. Das ist mühselig und braucht einen langen Atem, aber nur so geht es.
Wo liegt die besondere Schwierigkeit?
Schmidt Das Thema Organspende ist mit Angst besetzt. Wer entscheidet, ob er ein Organ spenden will oder nicht, muss sich mit dem eigenen Tod beschäftigen. Das fällt schwer. Das gelingt nicht mit einer Sendung, die auf Sensationslust zielt.
Sondern wie?
Schmidt Es geht um langfristige Aufklärung und auch um Mitgefühl mit den Menschen, die auf eine Organspende angewiesen sind. Wir alle müssen uns klar machen: Schon morgen kann es uns treffen.
Im Evangelischen Krankenhaus war kürzlich ein Vortragsabend mit Transplantationsmedizinern der Uni Essen.
Schmidt 50 Zuhörer haben rege mit den Experten Chancen und Risiken der Organtransplantation diskutiert. Dabei geht es nicht nur um die Niere, sondern auch um Leber und Herz. Die Veranstaltung war ein Gewinn für alle Beteiligten. Auf diesem Weg wollen wir weitergehen.
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