Wesel: „Versöhnen statt spalten“
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 12.04.2007Wesel (RPO). Für jahrzehntelanges Engagement in der Landsmannschaft Ostpreußen-Westpreußen bekam Kurt Koslowski jetzt die Verdienstmedaille des Bundesverdienstordens.
Seine viel gelobte Herzlichkeit schlug Kurt Koslowski nun selbst entgegen. Der 77-jährige Feldmarker stand gestern im Mittelpunkt einer kleinen Feierstunde im Weseler Rathaus. Der stellvertretende Landrat Heinrich Friedrich Heselmann hatte die Ehre, Koslowski mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu schmücken. Der Ausgezeichnete sprach von „Überraschung, Freude und Ehre“ und davon, dass er seine 22 Jahre währende ehrenamtliche Tätigkeit in der Landsmannschaft Ostpreußen-Westpreußen gern gemacht habe. Kurt Koslowski lobte dabei eine „gute Zusammenarbeit“ mit den Weseler Bürgermeistern – von Günter Detert, Wilhelm Schneider und Volker Haubitz bis zu Bernhard Gründken, Jörn Schroh und heute Ulrike Westkamp. Letztere war als Hausherrin natürlich gestern auch dabei und würdigte Koslowskis Einsatz in der „Verantwortung vor der Geschichte“. Er habe zahlreichen Menschen geholfen, sich in Wesel heimisch zu fühlen.
Zu Hause – Heimat
Zu Hause ist die Familie Koslowski am Mühlenweg in der Weseler Feldmark. Schön hätten sie es da, sagte der stellvertretende Landrat Heselmann, doch werde es nie Heimat wie Grünwalde sein.
Flucht in Danzig gestoppt
Das Thema Heimat, wie kann es bei einem in der Landsmannschaft engagierten Mann anders sein, bildete auch den Kern der Laudatio von Heselmann mit Rücklblick auf Koslowskis Lebenslauf: 1929 wurde er in Grünwalde im ostpreußischen Kreis Ortelsburg geboren. Dort ging er auch zur Schule, begann 1943 mit einer Ausbildung bei der Deutschen Reichsbahn. Deren „allerletzten“ Zug bestieg Koslowski mit seinen Eltern am 20. Januar 1945, um aus Grünwalde zu fliehen.
Sowjetische Truppen stoppten die Kriegsflüchtlinge in Danzig. Zu Fuß, wie Heselmann betonte, mussten sie den 300 Kilometer weiten Weg zurück nach Hause antreten, wo sie sich nun Polen unterordnen mussten. 1951 feierte Kurt Koslowski mit seiner aus dem Nachbarort Puppen stammenden Frau Waltraud Hochzeit. Es war die erste eines Deutschen nach dem Krieg. Das Paar bekam eine Tochter und einen Sohn. Die Familie wurde 1958 ausgewiesen, kam über das Lager Friedland und Hamburg zunächst nach Rees. Ab 1960 arbeitete Kurt Koslowski als Maschinenschlosser bei Siemens.
Krieg, Flucht und Vertreibung gaben Koslowski den Impuls, sich ab 1963 in der Kreisgruppe Wesel der Landsmannschaft Ostpreußen-Westpreußen zu engagieren. Zunächst als Schriftführer, dann als Kulturwart und stellvertretender Vorsitzender. Seit 1985 ist er Vorsitzender. In dieser Zeit wuchs die Zahl der Mitglieder von 50 auf 130. Koslowski war Mitglied im Stadt- und Kreisvertriebenenrat, ist stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes der Vertriebenen und bereits Träger zahlreicher Verdienst- und Ehrenzeichen.
Integration, Völkerverständigung
Mit preußischen Tafelrunden, Film- und Kulturabenden setzt sich Koslowski dafür ein, dass die Landsmannschaft bekannt wird. Er leistet Integrationshilfe für Leidensgenossen am Niederrhein, organisiert Spendenaktionen für die Heimat in Ostpreußen, leitet den Chor der Landsmannschaft, setzt sich in der Altenbetreuung und für Völkerverständigung ein. Wie Heselmann betonte, ist das Leitwort, das Ex-Bundespräsident Johannes Rau prägte, Kurt Koslowskis Devise: „Versöhnen statt spalten.“
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