Wesel: „Zauber der Erinnerung“
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 04.11.2008Wesel (RPO). 40 Jahre Frauenchor 68: Großes Jubiläumskonzert im proppenvollen Weseler Bühnenhaus. Gastsolistin Britta Kungney gefiel mit komödiantischer Note. Mit dabei war auch die MGV Sängervereinigung Röhlinghausen.
Die Freude an der Musik kann ihnen auch nach 40 Jahren nichts und niemand nehmen: „In der besten Stube der Stadt“ hieß Christel Werder als Vorsitzende des Frauenchors Wesel 68 am Sonntag die Gäste im proppenvollen Bühnenhaus herzlich willkommen. Aus Anlass des Jubiläums boten rund 50 Sängerinnen in weißen Blusen und schwarzen Röcken ein schmuckes Bild, als sie zur Begrüßung mit dem kroatischen „Oj – ja“ Musik vom Balkan anstimmten: Fröhliche, muntere Sätze hatte Chorleiter Winfried Kocea rund um die Begrüßungsrede drapiert, darunter „Music is my life“ oder „Down by the riverside“. Das treue Stammpublikum quittierte insbesondere den Titel „Valencia“ mit viel Applaus.
Koceas Leitung
Winfried Kocea aus Xanten übernahm den Dirigentenstab im Frauenchor Wesel 68 vor 30 Jahren von Helmut Gottschalk.
Den MGV Röhlinghausen (bei Herne), heute unter gleicher Leitung, gibt es schon seit 131 Jahren. Die singenden Männer besuchten die Stadt Wesel jetzt zum zweiten Mal.
Spanisches Feuer loderte auf
Anschließend gaben die Frauen die Bühne frei für Gastsolistin Britta Kungney und ihren Begleiter am Piano, Michael Zieschang. Beide gaben eine bunte Mischung aus Operette und Musical zum Besten, darunter „Fledermaus“, „West Side Story“ und „My fair Lady“. Doch die Träume von andalusischer Sonne und spanischem Feuer gefielen offenbar dem Publikum am besten, wie die begeisterten Reaktionen auf Bizets „Habanera“ zeigten.
In den sonnigen Süden entführte anschließend der MGV Sängervereinigung Röhlinghausen, ebenfalls unter der Obhut von Winfried Kocea. Die Herren traten die „Italienreise“ von Gerhard Winkler an und besangen Wein, Frauen und einen Trip ins einst romantische Napoli. In der Pause war Gelegenheit gegeben, mit den Vertretern anderer Chöre zu plaudern. Im Anschluss fand man sich wieder im Saal zusammen, diesmal mit den musizierenden Männern an vorderster Front. In eins, zwei, drei war Pianist Manfred Köller in die Rolle des flotten Akkordeonspielers geschlüpft und begleitete beschwingt beim melancholischen Alo-Ahé. Dann fasste der MGV mit „Lebe, liebe, lache“ die drei Maximen der volkstümlichen Chormusik seit dem 19. Jahrhundert zusammen.
Bei ihrem zweiten Auftritt zeigte Britta Kungney ihr wahres Talent als komödiantische Chansonette, mit dem sie großen Erfolg verbuchen konnte. Gleich ob sie sich als „herrliches Weib“ ausgab oder über vergebliche Versuche klagte „Die Torte“ zu backen. Heiterkeit im Saal lösten ihre Versuche aus, einige ältere Herren im Parkett parallel zum einstigen Kassenschlager „Nehmen Sie ‘nen Alten“ von Otto Reutter zu umgarnen. Mit Ohrwürmern aus der Zeit des alten Tonfilms, legte der Frauenchor nach und erinnerte an „Die drei von der Tankstelle“, Zarah Leander oder die Comedian Harmonists. Mit Publikums-Klatschmarsch und dem Lied „Heut ist der schönste Tag“ wurde am Ende das Überreichen der Blumenpräsente umrahmt. Der Applaus ließ nicht auf sich warten.
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