Niederrhein: Beliebte Märchenstunden
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 10.10.2008Niederrhein (RPO). Zugunsten der Kinderkrebshilfe veranstalten sieben Erzählerinnen die ersten Reeser Märchentage. Die Resonanz darauf ist bereits riesig. Für Organisatorin Doris Baumann der beste Beweis dafür, dass diese Erzählform auch heute noch gefragt ist.
„Es war einmal.“ Ein platter Einstieg für einen Artikel über Märchenerzählerinnen? Findet Doris Baumann gar nicht. „Es ist tatsächlich noch so, dass die meisten Märchen mit diesen drei Worten beginnen“, erläutert die Märchenerzählerin. Denn damit würde die richtige Stimmung für die Geschichte aufgebaut, viel mehr Spannung erzeugt als wenn ein Märchen mit einem Titel eingeleitet wird. „Der verrät schon viel zu viel. Das ,Es war einmal’ zieht die Zuhörer dagegen in den Bann, ohne dass sie vorher ahnen können, in welche Richtung die Geschichte geht.“
Beim RP-Treff kennen gelernt
Wer sich mit Doris Baumann über die Märchen unterhält, der vergisst schnell die Zeit. Denn die Reeserin ist begeistert von dieser Erzählform. Schon als Jugendliche hat sie Märchen verschlungen, vor fünf Jahren kam für sie dann die Initialzündung. Beim RP-Treff in Xanten erlebte sie die Märchenerzählerin Cilly Kreyenberg hautnah und war von ihrer Erzählkunst so angetan, dass sie sich auch zur Märchenerzählerin ausbilden ließ.
Drei-Gänge-Menü
Folgende Märchenerzählerinnen wirken mit: Doris Baumann, Agie Brauers, Lia Brockmeyer, Linda Kautny, Cilly Kreyenberg, Annelie Meyer und Christiane Strobl.
Öffentlich ist die Märchennacht im Hotel Rheinpark am 25. Oktober. Dann gibt es Märchen zu einem Drei-Gänge-Menü. Serviert wird ein Begrüßungscocktail, Gemüsecremesuppe mit Croutons, Medaillons von der Pute an Champignon-Cremesoße, Herbstgemüse, Röstikartoffeln und Rote Grütze mit Vanille-Eis.
Anmeldung unter der Rufnummer 0 28 51 58 80
Dadurch kam sie mit weiteren Erzählerinnen in Kontakt, man tauschte sich aus, gab sich gegenseitig Tipps und schließlich entstand die Idee von einer Benefiz-Veranstaltung rund um das Märchenerzählen. Da Doris Baumann als Stadtführerin gute Kontakte zum Reeser Kulturamt hat, trug sie die Idee dort vor und rannte damit offene Türen ein.
Daher finden jetzt vom 20. bis 25. Oktober die ersten Reeser Märchentage statt. Sieben Märchenerzählerinnen beteiligen sich daran und werden zunächst fünf Tage lang in Schulen, im Kindergarten und im Altenheim Märchen erzählen. „Die Resonanz war unglaublich. Die Reeser Grundschule etwa buchte uns gleich für alle ihre Klassen“, berichtet Doris Baumann. Aus Zeitgründen war es den Märchenerzählerinnen dann gar nicht möglich, wirklich alle Schulen und Kindergärten anzusprechen. „Das hätte den Rahmen dann komplett gesprengt.“
Die große Nachfrage zeigt Doris Baumann, dass Märchen auch heute noch gefragt sind. „Vielleicht sind sie heute sogar wichtiger denn je.“ Beeindruckt ist sie vor allem immer, wie sehr auch Jugendliche von den Geschichten in den Bann gezogen werden. „Da lacht keiner, sie werden still und hören zu. Sie wissen zu schätzen, dass sich jemand Zeit und Ruhe für sie nimmt.“
Ein starres Repertoire haben Doris Baumann und die anderen Erzählerinnen nicht. Das sei immer in Bewegung und hängt auch von den Zuhörern an. Auch das Lieblingsmärchen wechsle. „Meist ist es das, mit dem ich mich gerade aktuell beschäftige.“ Denn eins ist für Märchenerzähler tabu: Vorlesen. Alle Märchen werden auswendig vorgetragen. Zumindest die ersten drei Worte dürften kein Problem sein: „Es war einmal.“
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