Wesel: Benefizkonzert für Kriegsopfer
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 01.03.2010Wesel (RPO). Zum vierten Mal singen die "Gospel People" St. Antonius am 5. März im Bühnenhaus zugunsten traumatisierter Frauen und Kinder aus Ex-Jugoslawien. Die RP besuchte die Gruppe – kurz vor dem großen Auftritt – bei der Probe.
Mittwochs verwandelt sich Physiklehrer Torsten Gigo in den Stimmtrainer der "Gospel People". Während der Chor sich langsam im St. Antonius-Jugendheim zu einer der letzten Proben vor dem großen Auftritt einfindet und Leiter Peter Schmahl das Keyboard anschleppt, schaut Gigo noch den Solistinnen Juliane, Kathrin und Natalie kritisch auf die Lippen, die den optimalen Abstand zum Mikro austesten. Die Spannung steigt: Am Freitag steht das große Benefizkonzert "Time to celebrate" zugunsten der Organisation Seka an.
Bei den "Gospel People" passiert Solo-Singen einfach; jeder darf's versuchen, am besten so natürlich wie möglich; niemand muss eine Luxus-Stimme vorweisen. Spontane Singfreude ist es, die die 60-köpfige Sängergruppe zwischen 13 und 60 Jahren zusammenführt. Töne werden froh, ungekünstelt und spontan auf die Reise geschickt. Steif steht niemand da; es zuckt in Finger- und Fußspitzen. "Singin' all together" zum Einsingen ist ein rechter Muntermacher, die Riten der Choreografie sind längst eingespielt. Vorbei die Zeiten, als bei der Geburtsstunde des Chors 1992 alle in Reih und Glied saßen, bewaffnet mit schwarzen Hieroglyphen auf weißem Papier. Noten bleiben heute im Koffer. Nur Timo, das hoffnungsvolle Talent am Keyboard, genießt das Privileg eines Stuhls.
Heute Verlosung
Die RP verlost fünf mal zwei Karten für das Benefizkonzert. Wer heute zwischen 9.30 und 17 Uhr unter Telefon 0281 14394 anruft, kann gewinnen. Wer sich die Freikarten in der RP-Redaktion abholen darf, das wird morgen veröffentlicht. Termin: Freitag, 5. März, 20 Uhr im Bühnenhaus; Einlass: 19 Uhr; Eintritt: 11 Euro im VVK im Centrum, beim "Regenbogen" Blumenkamp; Abendkasse: 13 Euro
Band heizt die Stimmung an
Peter Schmahl gibt vorn den mobilen Entertainer, übt hier ein wenig den Off-Beat, dort das Einschwingen ins nächste Stück. Wie beim Seilspringen: das Timing für den Absprung will gefühlt sein. Das runde Dutzend an kräftigen Bässen und Tenören behauptet sich selbstbewusst gegenüber der großen Damenriege. Beim Konzert wird eine vierköpfige Band die Stimmung anheizen. 70 meist englischsprachige Songs hat der Chor auswendig auf Lager. Diesmal bietet das Programm neben Spirituals zum Mitsingen wie "Michael, row the boat ashore" vor allem zeitgenössischen Gospel, zum Beispiel vom Oslo Gospel Choir. Der Titel "Peace all over" trifft punktgenau den Gedanken des Konzerts. Denn den Erlös investiert Seka ins bosnische Erholungszentrum Gorazde. Kriegstraumatisierte Kinder und Frauen finden dort ihr bisschen Glück bei Ferien am Meer.
Das Projekt ist im Chor hinlänglich bekannt. "Wir sind stolz, das unterstützen zu können", sagt Kathrin. Juliane ergänzt: "Für aktuelle Dinge wie Haiti fließt sowieso Geld. Aber Jugoslawien ist ein Thema, das schneller in Vergessenheit gerät." Trotz des guten Zwecks muss der Chor die Miete fürs Bühnenhaus selbst tragen. 20 Auftritte pro Jahr sind die Regel. Höhepunkte 2010 sind der 5. Juni (Day of Song) auf Schalke und das Jahreskonzert in der heimischen Antoniuskirche am 13. November, daneben Gottesdienste und Hochzeiten.
"Im Bühnenhaus sind sicher alle dabei", schmunzelt Natalie, "auch die verschollenen Menschen, die Gottesdienste oder kleine Auftritte schon mal schwänzen."
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