Wesel: Besorgter Blick in Hotelruine
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 11.09.2010Wesel (RPO). Für 700 000 Euro baut die Caritas das Ex-Bahnhofshotel bis August 2011 zu einem Altenhilfe-Zentrum mit öffentlichem WC um. Auf die Handwerker wartet in der Ruine jede Menge Arbeit. Die RP hat sich dort umgeschaut.
Da, wo einst Ruhrpott-Nörgler Herbert Knebel zu Beginn seiner Karriere im "Modernes am Bahnhof" von gerade mal 20 Zuschauern bejubelt wurde, türmt sich der Schutt. Von den Wänden rieselt Putz. Es riecht nach Moder. Doch schon in wenigen Wochen werden Bauhandwerker durch die seit Jahren leerstehende Hotelruine wuseln und den Weg ebnen für das ehrgeizige Projekt der Caritas. Denn die will bekanntlich nach umfangreichen Umbauarbeiten im August 2011 ihr Zentrum für Altenhilfe mit Bistro und – für viele Bahnreisende ganz wichtig – öffentlicher Toilette eröffnen. Investitionsvolumen: 700 000 Euro. 150 000 Euro davon soll die Wohlfahrtsstiftung übernehmen.
Alles an einem Ort
Mehrere Stellen (Altenberatung, Fachberatung Demenz, Wohnraumberatung, Demenz-Servicecenter) wechseln 2011 vom Herzogenring zum Bahnhof. Ebenso die Sozialstation (Schepersfeld) und die Tagespflege (Sandstraße).
Aus für Anlaufstelle häusliche Hilfe
Zwar ist Caritas-Direktor Michael van Meerbeck froh, dass die Bahn nach langen Monaten nun endlich grünes Licht für das Projekt gegeben hat, so dass die Stadt Wesel kürzlich die Baugenehmigung erteilen konnte (RP berichtete). Trotzdem macht er sich Sorgen. "Wir müssen auf die geplante Anlaufstelle für häusliche Hilfe verzichten, da der finanzklamme Kreis die Förderung im nächsten Jahr komplett einstellt. Schlimm ist, dass diese Kürzung ohne Vorwarnung kam und nicht der Dialog mit uns gesucht wurde", bedauert der Caritas-Direktor. Er habe Angst, dass sich der Partner Kreis künftig von der Förderung ganz verabschiede "und wir hier kräftig investieren und dann am Ende unsere Angebote einstellen müssen", sagt er kritisch. Gleichwohl hofft van Meerbeck, dass der Kreis zum Dialog zurückfindet, da man schließlich das gleiche Ziel verfolge: "den Menschen zu dienen."
Für die RP hat der Caritas-Direktor gestern einmal kurz die Türe der seit Jahren verwaisten Bahnhofsruine geöffnet. Nur einige grüne Duschwannen in den rußgeschwärzten Räumen im ersten und zweiten Obergeschoss erinnern an die früheren Hotelzimmer. Von den Decken hängen Kabel. "Da haben Diebe die Kupferdrähte rausgeschnitten", sagt Architekt Heinz Vahnenbruck. Neben Tagespflegezimmern, Büros, Aufenthalts- und Seminarräumen entsteht ein gemütlich eingerichtetes Bistro (1. OG), in dem täglich von 9 bis 14 Uhr Frühstück und ein Mittagstisch angeboten werden. Danach soll der Raum als Demenz-Café genutzt werden. Der Weg dorthin führt über einen Aufzug im neuen, gläsernen Treppenhaus, das dem Backsteinbau eine besondere Note gibt. Ebenfalls im ersten Obergeschoss wird die öffentliche Toilette entstehen. "Wir möchten zunächst auf einen freiwilligen Obulus setzen. Nur wenn das nicht funktioniert, müssen wir 50 Cent nehmen", sagt van Meerbeck.
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