Wesel: Bester Blick an Siggis Haken
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 25.04.2007 - 17:31Wesel (RPO). Hochbetrieb auf der Brückenbaustelle: Während sich Besuchergruppen die Klinke in die Hand geben, testet die Weseler Feuerwehr Rettungswege mit dem Kran-Korb. Fahrbahn und Pylon wachsen.
Einsteigen, Gitter schließen und hoch geht’s: Was sich wie ein Ballonstart anfühlt, ist der schnellste und beste Weg, um einen unvergleichlichen Blick auf Wesels wichtigstes Projekt zu bekommen, die neue Rheinbrücke. In wenigen Minuten hängt der Kran-Korb mit seinen Passagieren in 60 Meter Arbeitshöhe über der Baustelle.
Es ist sehr windig, aber absolut ruckfrei steuert Kranführer Siggi Maier von der Firma Kirchner seine Fracht an den Bestimmungsort. Jetzt war reichlich lebendes „Material“ dabei. Rudolf Friedhoff und Thomas Verbeet, Wesels Feuerwehrspitzen, testeten Rettungswege.
Der Pylon, der große Hauptpfeiler am linksrheinischen Ufer, wächst unaufhörlich. Und sollte mal ein Unfall passieren, wären Retter auf den Gerüstleitern viel zu lange unterwegs, müssten sich obendrein den Notfallkoffer zwischen die Zähne klemmen, weil sie beide Hände zur eigenen Sicherheit brauchen.
Herausragend
Spektakuläre Arbeitsorte gibt es auf der Baustelle reichlich, doch herausragend sind derzeit die beiden per so genannter Kletterschalung wachsenden Betonarme des Hauptpfeilers.
Pro Abschnitt voller Bewehrungseisen geht es jeweils fünf Meter in die Höhe.
Auch am Weseler Ufer gibt es viel zu sehen. Hier ist die Abteilung Stahlbau der Firma Donges dabei, Fahrbahnteile zu verkleiden und Vorbereitungen für das Einhängen weiterer Stücke zu treffen.
Das geht nicht, weshalb der Korb am Kran die beste Methode ist. „Das sieht gut aus“, sagte Friedhoff zu den Dingen, die jetzt in die Wachausbildung einfließen. Verbeet war „sehr beeindruckt“ von der störungsfreien Fahrt und dem berauschenden Erlebnis.
Kran bald 130 Meter hoch
Es wird im Sommer wohl noch viel toller werden, denn der Kran hat noch nicht mal halbe Höhe erreicht. Die Spitze des umgedrehten Ypsilons wird 130 Meter über dem Boden sein. Das heißt, dass der Kran noch gut zehn Meter höher sein muss, erklärt Helmut Reinsch.
Der Ingenieur aus der Projektgruppe des Landesbetriebs Straßen NRW hat am Boden andere Probleme, richtet sich auf eine lange Nacht ein. Hatte sich die Qualität des Spezialbetons nach den anfänglichen Mängeln zunächst gebessert (RP berichtete), so sind die Sorgen jetzt wieder sehr aktuell.
Reinsch spricht von einer „immensen Überwachungsaufgabe“. Der Lieferant habe große Schwierigkeiten und versuche es mit verschiedenen Fließmitteln, die richtige Mischung zu finden.
Problemloser als am Pylon läuft die Betonierung der Fahrbahn. Derzeit ist Takt Nummer sechs in der Feldfabrik bei Büderich fertiggestellt und wartet mit seinen Vorgängern auf den Schub Richtung Ufer.
Dann werden bereits 200 Meter über die Vorlandpfeiler herausgedrückt sein, was von der alten Rheinbrücke aus schon sehr gut zu sehen ist. Dort tummeln sich bei dem schönen Wetter immer allerlei Zaungäste – in Griffweite zu den Schalungsarbeiten am Pylon.
Wesels Hingucker Nummer eins
Infos aus erster Hand holen sich wieder etliche Besuchergruppen. Gerade gaben 40 Gäste von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, die bekanntlich Mitfinanzier der Brücke ist, einer Gruppe von ehemaligen Bergwerksingeneuren aus Kamp-Lintfort die Klinke beziehungsweise die Besucherhelme in die Hand. Das Interesse ist ungebrochen hoch. Aus Siggi Maiers Warte nur ein Ameisengewusel.
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