Wesel: Betreuer warten auf Schulung
VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 28.10.2008Wesel (RPO). Modellprojekt in Schermbeck: Für ein Netzwerk zur Altenhilfe in nachbarschaftlichen Strukturen sollen Ehrenamtliche ausgebildet werden. Der Klausenhof ist startbereit, aber finanzielle Fragen sind noch zu klären.
Schermbecks Wirtschaftsförderer Friedhelm Koch hofft, dass die Schulung der ehrenamtlichen Nachbarschaftsbetreuer noch in diesem Jahr beginnen kann. Nach seinen Worten laufen derzeit für das Projekt Förderanträge auf verschiedenen Ebenen. „Wir hoffen, dass es klappt“, sagt auch Frank Summen, Teamleiter in der Akademie Klausenhof in Dingden, wo die Kräfte auf ihre Aufgabe vorbereitet werden sollen. Die ersten Interessenten zur Unterstützung älterer Nachbarn haben sich schon gemeldet.
Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter sagte kürzlich bei einer CDU-Versammlung, die Gemeinde habe einen Antrag an den Kreis Wesel auf Förderung gestellt. Denn auch der Kreis würde davon profitieren, wenn es mit Hilfe der Schermbecker Initiative gelänge, Heimkosten zu sparen, so Grüter. Über den Antrag werde die Politik im Rahmen der Etatberatungen für 2009 entscheiden, sagte Ulrich Petroff vom Kreis Wesel. Es gehe um eine fünfstellige Summe.
Keine Pflege
Die Nachbarschaftsbetreuer übernehmen keine pflegerischen Leistungen und bieten auch haushaltsnahe Dienstleistungen nicht selbst an.
Sie sollen an Wochenenden in der Akademie Klausenhof (Dingden) geschult und anschließend dauerhaft begleitet werden.
Es ist an Exkursionen zu vergleichbaren Projekten in den Niederlanden gedacht.
Zum aktuellen Sachstand des Projekts berichtet Ralf Siegel von der Uni Witten-Herdecke morgen im Ausschuss für Wirtschaftsförderung. Die Sitzung ist öffentlich und beginnt um 16 Uhr im Rathaus.
Wie mehrmals berichtet, soll in Schermbeck ein Netz von ehrenamtlichen Nachbarschaftsbetreuern entstehen. Das sieht ein Modellprojekt unter Federführung der Universität Witten-Herdecke vor. An die Uni ist ein Institut für Pflegewissenschaft angebunden, das Prof. Dr. Christel Bienstein leitet, die in Schermbeck wohnt. Ein Lenkungsausschuss, dem neben der Hochschule die Akademie Klausenhof, Kreis und Verwaltung angehören, hat eine Projektskizze entworfen, die politisch unterstützt wird.
420 Pflegebedürftige
Das Konzept ist eine Antwort auf den demografischen Wandel. Derzeit sind 420 Schermbecker pflegebedürftig, ihr Anteil wird bis 2040 um etwa 55 Prozent steigen, sagen Fachleute. Ebenso wird es mehr Menschen geben, die an Demenz erkrankt sind. Ihre Zahl liegt in Schermbeck aktuell bei 333.
95 Prozent der Bundesbürger wollen zu Hause alt werden und nicht im Heim. Dem entspricht der Leitsatz „ambulant vor stationär“ in der Pflegeversicherung. Hier setzt das Schermbecker Projekt an: Durch vorbeugende Hausbesuche und Beratung sollen die Nachbarschaftsbetreuer helfen, stationäre Folgekosten in der Kranken- und Pflegeversicherung zu verringern.
Im „Anforderungsprofil“ für die Ehrenamtlichen ist unter anderem vermerkt: soziale und räumliche Nähe zu einem Ortsteil, hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, Problembewusstsein, Wegweiser zu Hilfsangeboten, Kontaktperson zu Multiplikatoren (z. B. Vereine, Altentreffs, Kirchengemeinden). Die Schulung im Klausenhof werden Sozialpädagogen übernehmen. Sie sollen den Helfern den richtigen Umgang mit älteren Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, zeigen.
Rechtsfragen
Auch rechtliche Fragen seien zu klären, so Teamleiter Summen. Dabei geht es zum Beispiel darum, wann das Rasenmähen für den Nachbarn Schwarzarbeit ist. Für solche Fälle, so Summen, werde die Akademie Klausenhof externen Sachverstand hinzuziehen. Er plädiert auch dafür, sich vergleichbare Projekt in den Niederlanden anzusehen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum




