Hamminkeln: Betuwe – Gedanken sind frei
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 04.02.2009Hamminkeln (RPO). FDP-Parteitag offenbarte unterschiedliche Positionen zur Betuwe: Der alte und neue Partei-Chef Steffen Langenberg nannte Troglage in Mehrhoog als "Luftschloss". Fraktionschef Rainer Hecheltjen verteidigte "Maximalforderung".
Das Abschneiden der FDP in Hessen und die jüngsten Umfragwerte haben die Träume der Liberalen beflügelt, auch wenn FDP-Fraktionschef Rainer Hecheltjen beim Ortsparteitag auf die Euphorie-Bremse trat: "Umfragen sind noch keine Wahlergebnisse." Doch der Positiv-Denker an der Spitze des FDP-Quartetts im Rat sinnierte schon mal laut darüber, im Rathaus "die liberale Position auszubauen" und "ein bis zwei Mandate mehr" zu holen. "Zweistellig" sei eine realistische Zielvorgabe, so Hecheltjen.
"Wenn das der Möllemann erlebt hätte", sagte der alte und neue Parteichef Steffen Langenberg, dennoch bemüht, die Bodenhaftung nicht zu verlieren: "Keine Angst. Das Projekt 18 wird nicht wiederbelebt", sagte Langenberg, "daran arbeitet derzeit eine andere Volkspartei." Die Genossen kriegen's in diesen Tagen von allen Seiten. Langenberg positionierte sich so, dass der Stimmanteil für die FDP zumindest im umkämpften Ortsteil Mehrhoog überschaubar bleiben dürfte.
Der FDP-Vorstand
Die FDP hat den Vorstand bestätigt: Vorsitz: Steffen Langenberg
Vize: Volker Neuhaus, Bernfried Schneiders
Beisitzer: Rolf Zimmermann, Karl-Heinz Stenk, Fritz Bovenkerk, Silke Westerhoff
Schatzmeister: Tobias Schmidt
Schriftführerin: Elke Neuenhoff
Die Liberalen küren am Dienstag, 17. Februar, ihre Ratskandidaten und die Reserveliste.
Wähler-Täuschung
Die in der Betuwe-Debatte lautstark geforderte "Troglage" für die Schiene sei nichts als ein "Luftschloss", die Lokalpolitiker auf Stimmenfang populistisch im Munde führten. "Dann müssten Wesel und Dinslaken untertunnelt werden", sagte Langenberg in seinem Geschäftsbericht. Er warnte davor, durch "Täuschung falsche Hoffnungen" zu wecken. Sinnvoller, als unerreichbare Forderungen aufzustellen, sei es, darüber nachzudenken, den Lärmschutz gefällig zu gestalten. FDP-Sprecher Rainer Hecheltjen zog die Notbremse und bekräftigte, dass die Fraktion weiter zur "Mehrhooger Erklärung" stehe und in den Verhandlungen mit der Bahn AG den Trog für das Dorf an der Schiene weiter als Maximalforderung aufrecht erhalten wolle. Sein Signal war eindeutig.
Noch eindeutiger war der Wink in Richtung der traditionellen liberalen Hochburg Wertherbruch. Hier plädierte Hecheltjen angesichts des unerquicklichen Hickhacks übergeordneter Behörden dafür, den Lückenschluss beim Radweg bis zur B 67 auf eigene Kosten zu bewerkstelligen. 300 000 Euro seien auch angesichts der Vorleistung der Wertherbrucher, die Grundstücke zur Verfügung stellen wollen, "für die Stadt machbar". Rainer Hecheltjen bekräftigte zudem seine Bereitschaft, mit finanziellen Anreizen Ärzte zu motivieren, auf dem Land zu praktizieren – "nah bei den alten Menschen, die nicht so mobil sind". Eine ausreichende wohnortnahe ärztliche Versorgung sei für die ältere Generation genauso wichtig wie Schulen und Kindergärten für Kinder, sagte Hecheltjen. Auch hier gab's Widerspruch aus der Partei. Alt-Liberaler Heinz Schlebes schlug vor, über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) den Schlüssel für die Dörfer der Stadt positiver zu gestalten.
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