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Wesel: Betuwe: Kampf gegen Spaltpilz

VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 26.03.2009

Wesel (RPO). Hoch her ging es beim Infoabend der Weseler Bürgerinitiative Betuwe: Sie beschwört die Einheit, wurde aber von Befürwortern einer Neubaustrecke an der A 3 geradezu angefeindet. Protest: 100 000 Unterschriften als Ziel.

In etwas verzerrter Perspektive – wie im Anflug auf Wesel von Westen aus – zeigte das Spiekermann-Gutachten im Jahr 2000 die bestehende Bahnlinie (dunkelblau) und die damals verworfene Neubaustrecke (rot). Diese biegt, von Hamminkeln (links) kommend, kurz vor Blumenkamp Richtung A 3 ab. rp-repro malz Foto: RPO

Die Aktiven der Weseler Bürgerinitiative Betuwe um Gert Bork hatten am Dienstagabend keinen leichten Stand. Einerseits freuten sie sich nach Jahren schwach besuchter Treffen über einen sehr gut besuchten Infoabend im Feldmarker Herz-Jesu-Jugendheim. Andererseits erlebten sie etwas bis dato Unbekanntes: Widerstand, Vorwürfe und Forderungen, welche die vielbeschworene Einheit der Anrainer von Emmerich bis Oberhausen in Frage stellen. Befürworter der unlängst wieder neu ins Spiel gebrachten Neubaustrecke entlang der A 3 argumentierten verstärkt mit Fragen nach der Sicherheit bei Gefahrguttransporten auf der auszubauenden Altstrecke. Dass es dafür wie für viele andere Details keine gesetzlichen Grundlagen gebe, mit denen man die Bahn packen könne, blieb weitgehend unbeachtet wie der mühsam erarbeitete Erfolg, als Verhandlungspartner ernst genommen zu werden.

Info

"Lebendiges Gebiet"

RP-Leser Günter Meyer aus Blumenkamp macht darauf aufmerksam, dass eine Alternativtrasse sehr wohl ebenfalls "lebendiges Gebiet" durchschneide.

Kritisch sei nicht der Teil an der A 3, sondern die südliche Umgehung Hamminkelns: "Zwischen Helderloh und Obrighoven gäbe es gravierende Auswirkungen."

Gesetzesinitiative für Sicherheit

In einer teils disziplinlos geführten Diskussion wurde dem Podium unter anderem Untätigkeit und mangelnde Transparenz vorgeworfen. Das machte Mitglieder, die schon vor Jahren Flugblätter verteilt und Infostände organisiert hatten, schlicht sprachlos. Neben Anwohnersorgen gab es politische Statements. So will sich Marcus Schafaff (FDP) für eine Gesetzesinitiative stark machen, denn der Katastrophenschutz komme zu kurz. Peter Zabel, Bewohner des Schillviertels, fürchtet, dass die Feuerwehren für die Bewältigung von Großschadenslagen derzeit nicht genügend ausgerüstet sind. Er bat den Landtagsabgeordneten Wolfgang Hüsken (CDU), ein gemeinsames Planfeststellungsverfahren für die gesamte Ausbautrasse zu fordern. Die Bahn will bekanntlich abschnittsweise vorgehen.

Zeitgleich mit allen anderen Kommunen an der Ausbaustrecke von Emmerich bis Oberhausen bliesen Wesel und Hamminkeln gemeinsam zum Sturm auf Berlin. Foto: RPO

Schroh: "Unfair, Halbwahrheiten"

In einem Dilemma als Kommunalpolitiker sah sich Frank Schulten (CDU). Er gehörte zu den wenigen, die der jahrelangen Arbeit der Initiative Lob zollten, fragt sich aber, was er nun vertreten soll: hohe Lärmschutzmauern quer durch Wesel oder eine neue Trasse an der A 3 – ohne Lärmschutz an der alten Strecke. Dass Letzteres doch in Kombination zu bekommen sei, sagte Leo Kasnitz und forderte zur Umkehr auf. "Das ist unfair. Sie verbreiten Halbwahrheiten", antwortete Jörn Schroh (Bürgerinitiative), der zum Schluss den Versuch unternahm, engagierte Diskutanten einzubinden. Er beschwor wie Bork die Einigkeit der Region in ihrem Auftreten bei Bahn und Bund. Und lud dazu ein, Ideen einzubringen.

Streckenblockade, Steuerboykott

Überlegungen, wie Protest ausgedrückt werden könnte, hatten zwischenzeitlich abenteuerliche Gestalt angenommen. Es ging bis zur Streckenblockade und zur Weigerung, Steuern zu zahlen. Gert Bork meinte, man könne ja mit den rund 100 anderen Bahn-Bürgerinitiativen in Deutschland ganz Berlin blockieren. Ernster gemeint kündigte der Kopf der Weseler Initiative an, dass von Emmerich bis Oberhausen nun 100 000 Protest-Unterschriften gesammelt werden sollen. Die soll der Bundesverkehrsminister bekommen.

Das Beste des Machbaren

Ziel für die Initiativen am Niederrhein bleibt es, das Beste des Machbaren für Land und Leute beim Ausbau der Altstrecke herauszuholen. Bork: "Effiziente, niedrige Mauern, leiser Unterbau, kleine Troglagen – dafür lohnt es sich zu kämpfen."

Quelle: RP

 
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