Hamminkeln: Bildung statt brennende Autos
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 11.11.2006Hamminkeln (RPO). Dr. Alois Becker, Direktor der Akademie Klausenhof in Dingden, warnte vor Folgen der geplanten Mittelkürzung für Weiterbildung durch das Land. Sein „leiser Protest“ traf bei CDU-Bildungspolitikern auf offene Ohren.
Breites Spektrum
Die Akademie Klausenhof, Leiter Dr. Alois Becker, engagiert sich in der beruflichen Rehabilitation, in der Berufsvorbereitung, in der Integration von Migranten, vermittelt Deutsch als Fremdsprache, gibt Computerkurse für unterschiedliche Zielgruppen und bietet berufsorientierte Kurse.
Das moderne Haus bietet den Kursteilnehmern die Möglichkeit, im Internat zu wohnen.
Wenn die Landesregierung nicht vom Plan abrückt, die Ausgaben für Weiterbildung um 18 Prozent zu senken, droht der Akademie Klausenhof in Dingden ein sattes Loch von 500 000 Euro, rund fünf Prozent des Etats. Das rechnete Akademie-Direktor Dr. Alois Becker gestern dem CDU-Landtagsabgeordneten Wolfgang Hüsken vor. Der hatte zwei Bildungsexperten seiner Fraktion mitgebracht in seinen Wahlkreis: Marie-Theres Kastner (Münster) und Bernhard Tenhumberg (Vreden).
Die drei schätzten es sehr, dass der Gastgeber es vorzog, „leisen Protest“ anzumelden gegen eine erneute Kürzung der Fördermittel, die in der Summe allmählich nicht mehr aufgefangen werden könnten. Die Strukturen seien bedroht. Dr. Becker argumentierte inhaltlich und warnte vor schwerwiegenden gesellschaftlichen Folgen. Der Klausenhof kümmert sich seit Jahrzehnten erfolgreich um die Integration junger Zuwanderer. Die verbessern in Dingden nicht nur ihre deutschen Sprachkenntnisse, sondern holen hier qualifizierte Schulabschlüsse nach, unabdingbar für den Weg in die Welt der Arbeit.
„Schluss mit lustig“
„Allmählich ist Schluss mit lustig“, formulierte Becker griffig den Ernst der Lage. Die Politik könne den Trägern nicht immer schwerere gesellschaftspolitische Lasten aufbürden und gleichzeitig die notwendigen Mittel immer weiter zusammenstreichen (38 Prozent seit 2000!) – nach dem Motto: „Seht zu, Träger, wie ihr mit unseren Problemen fertig werdet.“
Bleibe es bei der Kürzung, schloss der Akademie-Chef eine spürbare Reduzierung des Angebotes und Kündigungen im eigenen Haus nicht aus. „Wenn die Politik Integration will, muss sie die Kosten übernehmen.“ Ein klares Wort. Das traf durchaus auf Verständnis. Die CDU-Bildungspolitiker, so Marie-Theres Kastner, stünden an der Seite der Bildungsträger. Trotz aller Etat-Nöte müsse verhindert werden, „dass bei uns wie in Frankreich Autos brennen“. Die Kürzung der Mittel bleibe bis zur Verabschiedung des Etats vor Weihnachten „ein heißes Thema“.
Sie sei „hoffnungsvoll“, so Kastner weiter, dass es „noch vor Nikolaus“ gelingen werde, „den K.o.-Schlag“ für Integration über den Bildungsweg abzuwehren. Sie könne zwar noch nicht sagen, woher das Geld komme, aber aus Erfahrung wisse sie: „Wenn man einen Stiefel vor die Tür stellt, kommt auch was rein.“
Für die Zukunft, ergänzte Bernhard Tenhumberg, müsse das Weiterbildungsgesetz passgenauer auf die Einrichtungen ausgerichtet werden, „um langfristig zu verlässlicher Finanzierung“ zu kommen.
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