Wesel: Bollwerk gegen Gebühren
VON JOACHIM SCHWENK - zuletzt aktualisiert: 14.11.2009Wesel (RPO). Vereine lehnen es bei Versammlung des Stadtsportverbandes einstimmig ab, für Nutzung der Sportstätten zu zahlen. Verwaltung und "Bündnis für Wesel" halten an Plänen fest, die aber kräftig nachgebessert werden müssen.
Kämmerin Gabriele C. Klug ging schon vor Beginn der Versammlung durch die Reihen und warb um Verständnis für den Vorschlag der Verwaltung. Vergeblich. Auch bei der folgenden, gut zweieinhalb Stunden dauernden, teils emotionalen aber nie unsachlichen Diskussion bei der Versammlung des Stadtsportverbandes Wesel konnte die Finanzchefin in der Sache nicht annähernd punkten. Die Weseler Vereine lehnten es am Donnerstagabend im Parkettsaal der Niederrheinhalle einhellig ab, Gebühren für die Nutzung der Sportstätten zu zahlen.
Stattdessen solle die Kämmerin, so Manfred Ziehm, Vorsitzender des Badminton-Sport-Clubs (BSC) Wesel, den Haushalt noch einmal "mit spitzem Stift" nach möglichen Einsparpotenzial durcharbeiten, um die 75 000 Euro zu finden, die jetzt vom Sport eingestrichen werden sollen. Wobei Georg Götze (SuS Nord) schon den passenden Vorschlag hatte. Das "Bündnis für Wesel" solle doch das vierte Dezernat fallen lassen, das mit einem FDP-Mann besetzt werden soll. "Verzichten Sie auf dieses Dezernat, und das ganze Thema ist vom Tisch", sagte Götze unter dem Beifall der Clubs, von denen einige um ihre Existenz fürchten, wenn sie fürs Training zahlen müssen. "Wenn das durchgeht, können Sie sich als Totengräber des Weseler Sports bezeichnen", sagte Ziehm Richtung "Bündnis für Wesel".
Sport macht mobil
Der Stadtsportverband hat die Vereine gestern schriftlich aufgefordert, am Donnerstag so zahlreich wie möglich bei der Sitzung des Sportausschusses (16.30 Uhr, Ratssaal) zu erscheinen.
Er überlegt zudem, vor der entscheidenden Ratssitzung eine Demonstration zu organisieren.
So, wie es die Verwaltung ausgeheckt hat, wird's nicht kommen. Das Papier aus dem Dezernat der Kämmerin – erst beim Vorstand des Stadtsportverbandes und am Donnerstag bei der Versammlung präsentiert – wurde in der Luft zerrissen. Es sollte, so Klug, "Grundlage für den Einstieg in eine sachliche Diskussion" sein. Die Vereine bezeichneten es als "untragbar", "unsäglich" und "ungerecht". Auch das Bündnis ruderte zurück, weil das Papier, so Ruth Freßmann (SPD) "Schwächen" hat. Die Verwaltung wird jetzt bis zur Sitzung des Sportausschusses (Donnerstag, 16.30 Uhr, Sitzungssaal Rathaus) kräftig nachbessern müssen.
Die wichtigsten Punkte: Im Gegensatz zu den bisherigen Plänen muss der Sport nicht nur für die Nutzung der Hallen zahlen. "Natürlich werden auch die Sportplätze mit einberechnet", sagte Sportdezernent Wolfgang Jung. Es soll ein Konzept entwickelt werden, das einige Vereine nicht über Gebühr belastet und damit in den Ruin treibt, was beim vorgestellten Papier der Fall gewesen wäre. In der Diskussion ist eine Art Kopfprämie.
Es soll wohl nicht vor 2011 kassiert werden. So haben die Clubs Gelegenheit, die Beitragserhöhungen, die notwendig sind, um die zusätzlichen Kosten aufzufangen, 2010 bei ihren Jahreshauptversammlungen zu beschließen. Dass man darüberhinaus noch über die Summe diskutieren könne, die der Sport aufbringen muss, ließ SPD-Chef Ludger Hovest nach der Versammlung durchklingen. "Ob es nun 60 000 oder 75 000 Euro werden, das müssen wir sehen."
Der Frontmann des "Bündnisses für Wesel" wich wie die Verwaltung nicht einen Millimeter vom Ziel ab, die Vereine zur Kasse zu bitten mit einem Betrag, der 0,055 Prozent (!) des Gesamthaushalts ausmacht. Da konnte der Sport noch so heftig Sturm gegen die Pläne laufen. Der Frust bleibt. "Das ist ein Tritt gegen das Ehrenamt, eine bodenlose Frechheit", sagte Georg Lörcks (SV Ginderich). "17 000 Sportlern wird vor den Kopf gestoßen", stellte Ernst Frings, Vorsitzender des SV Büderich, fest.
Für Hovest und die Verwaltung ist es trotz aller Kritik unerlässlich, dass der Sport seinen Teil zum Sparkurs beiträgt. Kämmerin Klug versuchte das sogar als Wohltat zu verkaufen. Ganz nach dem Motto: Lassen Sie uns jetzt einen Vertrag machen und so verhindern, dass bei einem wohl nicht zu vermeidenden Haushaltssicherungskonzept noch höhere Gebühren verlangt werden. Auch damit punktete sie nicht – anders als die CDU mit ihrem Bürgerbegehren gegen das vierte Dezernat. Seiten B 5 und D 5
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