Hamminkeln: Brennessel gut gegen Bauchweh
VON LAURA BRÜHL - zuletzt aktualisiert: 29.04.2008Hamminkeln (RPO). Generationen im Gespräch: Peter Mellin vom Forum Senioren ging in den Ev. Kindergarten und kochte mit seinen kleinen Zuhörern gesunden Kräutertee. „Voll lecker“, fanden die Kinder und probierten bis zum letzten Tropfen.
Liebevoll und mit viel Ruhe erklärt Peter Mellin, den Kindern des Evangelischen Kindergartens an der Mehrhooger Straße die Frühlings- und Heilkräuter der Natur. Die gut 20 Vorschulkinder lauschten den spannenden Erklärungen sehr aufmerksam. Peter Mellin, Vorsitzende der Seniorenunion, möchte die Kinder teilhaben lassen an seinem reichen Wissensschatz, damit der nicht gänzlich verloren geht.
Vornehmlich in den jungen seiner 77 Lebensjahre hat der gelernte Landwirt und Maschinenbau-Ingenieur eine ganze Menge über die Natur gelernt. „Meine Mutter war damals Lehrerin, und immer wenn sie vom Spazierengehen nach Hause kam, erklärte sie mir alle Kräuter und Bäume die sie unterwegs gesehen hat“, erzählt der muntere Senior. Er besucht im Jahr vier bis fünf Kindergärten und erklärt dort den Vorschulkindern die Natur.
Lokale Agenda
Dieses Projekt Kräuter-Lehre im Kindergarten leitet Peter Mellin jetzt im dritten Jahr.
Es läuft im Rahmen der „Gespräche der Generationen“. Das Projekt wurde vom Forum Senioren der lokalen Agenda initiiert.
Im vorigen Jahr erläuterte Mellin den Kindern die Getreidearten.
Mit Kastanien-Blüte
„Heute machen wir aus zwei verschiedenen Kräutern einen Tee, den wir dann alle zusammen probieren werden“, sagt Mellin den erwartungsfrohen Kinder zu Beginn. Der kleine Samuel ihm auch etwas mitgebracht: „Ich habe hier noch eine geschlossene Blüte von einer Kastanie.“ Mellin erklärt den Kindern, dass die Heilkräuter heute immer mehr in Vergessenheit geraten. „Überall, auf allen Wegen, am Waldrand, auf den Wiesen und mitten im Wald wachsen Heilkräuter. Aber die wenigsten kennen noch ihre Wirkung.“ Mitgebracht hat Peter Mellin den Kindern Brennesseln, Gänseblümchen, Taubnessel, Bärlauch, Wiesenschaumkraut, Löwenzahn und das Buschwindröschen. „Wir werden heute einen Brennnesseltee und einen Gänseblümchentee kochen“, erklärt der Kräuterexperte. Die Gänseblümchen haben die Kleinen morgens selbst auf der Wiese am Kindergarten gepflückt. „Aber die Brennessel tut doch weh, die kann man doch nicht trinken“, melden sich kritische Geister. Manche haben Angst, dass Hunde ihr Geschäft auf den Heilkräutern erledigt haben. „Man kann auch Spinat aus Brennesseln machen, sie ist ungefährlich und ist sehr gut gegen Bauchweh“, beruhigt der Senior. Die Kinder schauen zu, wie er das heiße Wasser auf die Kräuter gibt und es sich verfärbt. Als der Tee durchgezogen ist, sind die Kinder eher verhalten als es ans Probieren geht.
Doch als die ersten Mutigen sagen, dass der Kräuter-Tee „voll lecker“ schmeckt, siegt die Neugier über die Skepsis. Beide Teekannen wurden bis auf den allerletzten Tropfen ausgetrunken. Bauchweh war keine Thema mehr.
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