Hamminkeln: Bürgerin für Europa
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 18.04.2009Hamminkeln (RPO). Aus der Alten Herrlichkeit nach Berlin und Bonn: Astrid Hasenkamp (44) aus Wertherbruch arbeitet mit am "Bürgerprogramm" für Europa, das Ende April verabschiedet werden soll.
Astrid Hasenkamp (44) aus Wertherbruch hat Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen, noch ehe die US-Präsident Barrack Obama begegnet ist. Die Leiterin der Awo-Kindergärten in Isselburg und Vehlingen war sehr überrascht von der CDU-Parteichefin. "Die Kanzlerin war richtig locker drauf. Überhaupt nicht so unscheinbar wie sie oft im Fernsehen rüberkommt", schildert die 44-Jährige ihren Eindruck, den sie Mitte Februar beim Europa-Gipfel in der Bundeshauptstadt gewonnen hat. Astrid Hasenkamp gehört zu 350 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet, die sich im Vorfeld der Europa-Wahl intensiv darüber austauschen, wie das Europa der Zukunft aussehen soll, damit es stärker bei den Menschen ankommt.
Bürgerprogramm
Astrid Hasenkamp gehört dem Unterausschuss "Europäische Identität" an, der sich um Fragen der Bildung und Kultur kümmert.
Am letzten April-Wochenende wird in Bonn im ehemaligen Bundestag das "Bürgerprogramm" verabschiedet.
Der Zufall wollte es, dass die 44-Jährige aus der der Alten Herrlichkeit, ins EU-Bürgerparlament gewählt wurde. Im Auftrag der Bertelsmann- und der Nixdorfstiftung hat die Uni Bamberg sich des "Zufallsgerators" bedient und im Herbst vorigen Jahres 1200 Menschen zwischen Kiel und Passau angerufen. Aus denen wurden dann 350 Bürger-Parlamentarier ausgesucht, die ihre Erwartungen an Europa diskutieren und schließlich gemeinsam formulieren sollen.
Astrid Hasenkamp war gleich bereit, sich auf das spannende Abenteuer einzulassen, "auch weil ich mir um Europa bislang noch nicht so viele Gedanken gemacht hatte", räumt sie freimütig ein. Damit dürfte sie, wie die Beteiligung an Europawahlen zeigt, durchaus repräsentativ sein für die bundesdeutsche Bevölkerung.
"Eine tolle Sache"
Bereut hat die Mutter von zwei Kindern den Schritt bisher auf keinen Fall. "Allein sich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zwischen 18 und 83 Jahren, aus ganz unterschiedlichen Berufen und aus allen Ecken der Republik zu treffen ist eine tolle Sache", sagt die Wertherbrucherin. Sie hat längst erfahren, dass Europa weit mehr ist als ein "Völkerbund, der den Krümmungsgrad einer Schlangengurke einheitlich festschreibt".
Auftakt der Arbeit war der dreitägige Bürgergipfel in Berlin, wo im Ludwig-Erhardt-Haus ("Gürteltier") in Arbeitsgruppen verschiedenen Themenfelder abgesteckt wurden. Danach ging's wieder nach Hause. Online am heimischen Computer blieben die Ausschussmitglieder in Kontakt, auch mit ihren wissenschaftlichen Mentoren, die den Diskussionsprozess steuern. Eine Erkennntis ist für die ausgebildete Heilpädagogin schon jetzt elementar: "Wenn das europäische Bewusstsein wachsen soll, muss man die Jugend für Europa gewinnen." Man müsse Möglichkeiten schaffen, dass sich Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen aus allen möglichen Nationen viel selbstverständlicher treffen können, das bringe den einzelnen weiter und stärke zugleich die europäische Familie.
Am letzten April-Wochenende geht's wieder ins Plenum. Dann treffen sich die EU-Bürger in der alten Bundeshauptstadt Bonn. Dort wird das "Bürgerprogramm" verkündet, das danach öffentlich mit der Politik in Berlin und Brüssel diskutiert werden soll. Für Astrid Hasenkamp steht fest: "Das Projekt war für mich erfolgreich. Ich jedenfalls bin hellhörig geworden für alles, was Europa betrifft." Und sie wird selbstverständlich am 7. Juni zur Wahl gehen. Und im Gospelchor der Kirchengemeinde wird sie dafür werben, dass möglichst viele Sänger auch ihre Stimme für Europa abgeben.
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