Wesel: Bürgertreff will die Alternativtrasse an A 3
VON FRITZ SCHUBERT - zuletzt aktualisiert: 05.03.2009Wesel (RPO). Volles Haus beim Weseler Bürgertreff (WBT): Gut 70 Besucher, mehr als doppelt so viele wie üblich, kamen Dienstagabend in den Kaiserhof. Das Thema "Betuwe – Wo sind die Schmerzgrenzen ?" hatte auch Gäste aus Emmerich und Rees angelockt. Die vom WBT-Vorsitzenden Prof. Dr. Klaus Haerten aufgeworfene Horrorvorstellung einer enorm hohen (Lärmschutz-)Mauer von Emmerich bis Oberhausen war nur ein Aspekt der emotionalen Diskussionen. In den Mittelpunkt rückten schnell die Sorgen um zunehmende Transporte von Gefahrgut durch Wohngebiete. Das führte letztendlich zu einer breit getragenen Forderung nach einem neuen Raumordnungsverfahren. Nicht der Ausbau der bestehenden Bahnlinie soll verfolgt werden, sondern eine Alternativtrasse an der Autobahn 3.
Angst vor Explosion in Siedlung
Prof. Haerten hatte zwar eingangs um "Blick nach vorn" gebeten, doch ganz ohne Historie ging es natürlich nicht. Denn die Idee eines Neubaus ist alt. Vor gut zehn Jahren schon war sie im so genannten Spiekermann-Gutachten untersucht worden. Dass die damals ermittelten Neubau-Kosten längst überholt sein dürften, hielt Leo Kasnitz aus Wesel nicht von der Behauptung ab, dass sie mit den Ausgaben für den Ausbau – 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro – identisch seien. Also könne man sehr wohl ein Umdenken fordern.
Fragen zur Sicherheit warf unter anderem Karl-Heinz Jansen aus Praest auf, der gleich zu einer Info-Veranstaltung am Donnerstag, 19. März, ab 19 Uhr im Saal Slütter an der B 8 in Emmerich-Vrasselt einlud. Sein Vorgeschmack: Im Fall einer Gasexplosion (LPG-Transporte etc.) fliegen in weitem Umkreis die Fetzen. Ähnliche Sorgen äußerte zum Beispiel Rolf Lorenz aus Lippedorf, wo nach aktuellem Planungsstand der Bahn bekanntlich noch nicht mal Lärmschutz vorgesehen ist.
Kritik an Entscheidungen der Vergangenheit relativierte sich insofern, dass man damals über viele heute bekannte Sicherheitsrisiken zu wenig wusste. Verwaltungsmann Helmut Klein-Hitpaß (Stadt Wesel) brach eine Lanze für die Kommunalpolitiker am rechten Niederrhein. Sie seien "keine gewissenlosen Schurken", sondern hätten die bessere der beiden schlechten Lösungen gewählt". Denn damals hieß es, auf einer neuen A 3-Trasse würde dann nur der ICE rollen, hunderte Güterzüge am Tag aber weiter über die alte Strecke. Dann eben besser diese mit Lärmschutz, den's sonst nicht gegeben hätte, ausbauen.
Prof. Dr. Klaus Haerten hielt am Ende fest, dass die Alternativstrecke erneut gefordert werden muss, weil sie Wirtschaft, Bahn und Anliegern Vorteile bringen müsste – inklusive S-Bahn-Anschluss und ICE-Halt.
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