Wesel: Byk: Kurzarbeit ab Februar
VON JULIA NAKÖTTER UND KLAUS NIKOLAI - zuletzt aktualisiert: 17.01.2009Wesel (RPO). 170 Mitarbeiter der Altana-Tochter Byk müssen die Produktion drosseln. Immer mehr Kurzarbeiter: Betroffen sind in Wesel, Hamminkeln, Schermbeck und Hünxe 16 Betriebe mit insgesamt 443 Beschäftigten.
170 Mitarbeiter der Byk Chemie haben seit gestern Gewissheit. Ab Februar werden sie in die Kurzarbeit geschickt. "Wir müssen die Produktion an die schlechtere Auftragslage anpassen", erklärt Altana-Sprecher Achim Struchholz auf Anfrage. "Bislang haben wir versucht, alle Instrumente auszuschöpfen, um dem Einbruch gerecht zu werden."
So nahmen Beschäftigte der Altana-Tochter bereits im November verstärkt Urlaub oder bauten Überstunden ab. "Die Finanzkrise hat mittlerweile alle Branchen erfasst, so dass es auch die eigentlich krisenfeste Spezialchemie trifft", sagt Struchholz. Auch sonst schlägt die Krise immer mehr durch: Laut Arbeitsagentur Wesel haben im Dezember und Januar 16 Betriebe in Wesel, Hamminkeln, Schermbeck und Hünxe Kurzarbeit angemeldet. Betroffen sind 443 Mitarbeiter.
So lang wird gezahlt
Kurzarbeitergeld wird gewährt, wenn in Betrieben die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit infolge wirtschaftlicher Ursachen vorübergehend verkürzt wird. Die Bezugsfrist wurde aktuell auf 18 Monate verlängert.
Die Agentur für Arbeit finanziert Kurzarbeitern außerdem Weiterbildungsmaßnahmen.
Nachfragen beim Betriebsrat
Beim besonders exportabhängigen, erfolgsverwöhnten Weltmarktführer Byk halten sich vor allem die Bezieher von Lack- und Kunststoffadditiven mit Aufträgen zurück – größtenteils Zulieferer für die Autoindustrie. Struchholz: "Geschäftsführung und Betriebsrat verhandeln aktuell darüber, wie die Kurzarbeit aussehen soll." Fest steht: Betroffen sind 170 von insgesamt 670 Byk-Mitarbeitern in Produktion, Rohstofflager, Abfüllung, Versandlager und Qualitätskontrolle.
"Mit der Kurzarbeit betritt Byk Neuland", sagt Ulrich Gajewiak, Chef des Betriebsrates. "Das hat es bisher am Standort Wesel nicht gegeben." Dementsprechend zahlreich seien die Nachfragen. Gajewiak: "Die Kollegen wollen wissen, was es für sie bedeutet." Am Montag werden sie informiert.
"Wir möchten, dass sich die Kurzarbeit gleichmäßig verteilt", erklärt der Betriebsratsvorsitzende. "Am besten würden ganze Schichten wegfallen." Ob zehn oder 15 Prozent Kurzarbeit eingeführt werden, soll sich in der nächsten Woche entscheiden. Gajewiak: "Angst um ihren Job haben die wenigsten. Die Kurzarbeit war keine große Überraschung."
Die Belegschaft bleibe optimistisch. "Wir hoffen auf bessere Zeiten und freuen uns, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll." Ab Februar zahlt die Arbeitsagentur den Kurzarbeitern 67 Prozent (Kinderlosen: 60) des ausgefallenen Nettolohns. Gajewiak: "Durch Tarifverträge kann die Leistung auf 90 Prozent des Bruttolohnes aufgestockt werden, so dass die Verluste nicht zu groß ausfallen."
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