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Schermbeck: Camper fühlen sich abgezockt

VON THOMAS PETRIKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 30.07.2011

Schermbeck (RP). Ab 2012 bittet Schermbeck Camper zur Kasse. Eine Zweitwohnsitzsteuer pro Stellplatz soll Geld bringen. Die Mieter zahlen rund 160 Euro mehr pro Jahr. Jetzt kocht die Camper-Seele. Viele wollen die Pacht kündigen.

Angelika (62) und Manfred Straberg (64): "Wenn die Gemeinde schon Steuern eintreiben will, dann soll sie auch den Wachtenbrinker Weg oder den Klein-Else-Weg sanieren. Hier wurde seit Jahren nichts mehr gemacht. Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen." Foto:
Angelika (62) und Manfred Straberg (64): "Wenn die Gemeinde schon Steuern eintreiben will, dann soll sie auch den Wachtenbrinker Weg oder den Klein-Else-Weg sanieren. Hier wurde seit Jahren nichts mehr gemacht. Wir können diese Entscheidung nicht nachvollziehen." Foto:

Marc Terstegen weiß nicht mehr weiter – zu groß sind die Sorgen, zu groß die Angst vor der Zukunft. Terstegen, 31-jähriger Geschäftsführer des Campingplatzes "Wachtenbrink" (180 Stellplätze) in Damm, fürchtet um seine Existenz: "Ich rechne mit bis zu 40 Prozent Rückgang."

Hintergrund ist die vor kurzem vom Rat beschlossene Regelung, dass Camper ihren Stellplatz ab 2012 als Zweitwohnsitz anmelden müssen. Die Konsequenz: Acht bis zwölf Prozent der Jahrespacht müssen zusätzlich gezahlt werden. Beim teuersten Stellplatz sind das rund 160 Euro – für Rentner, die einen Gros der Mieter ausmachen, kaum zu zahlen.

Info

Plus GEZ-Gebühr

Neben dem Campingplatz "Wachtenbrink" wären auch die Plätze "Hohes Ufer" (100 Stellplätze) an der Hünxer Straße, "Sybergshof" (82) am Brückenweg und der Gahlener "Im Wiesengrund" (44) betroffen. Bei der Anmeldung eines Zweitwohnsitzes würde außerdem eine GEZ-Gebühr fällig.

Seit Jahren wird im Ort eingekauft

Viele fühlen sich betrogen, sprechen von Abzocke. Manche Mieter haben bereits erklärt, dass sie den Pachtvertrag schweren Herzens kündigen müssen. Ihnen könnte sich Christa Beuting (71) anschließen. Seit 22 Jahren hat sie in Damm ihren Rückzugsort. Seit einem Monat ist Beuting Witwe, das Geld wird immer knapper, ihre Verzweiflung ist groß. "Ich verstehe das alles nicht. Wie kommen die darauf?", fragt sie mehrfach im RP-Gespräch. Sie fühlt sich auf dem Platz wohl, hat dort viele Freunde gefunden.

Auch Marc Terstegen kann die Entscheidung, die Camper zur Kasse zu bitten, nicht nachvollziehen. Mit den Campingplatz-Betreibern aus Gahlen und Schermbeck besuchte er vor wenigen Wochen Bürgermeister Ernst-Christoph Grüter.

Gemeinsam wollen die Mieter vom Campingplatz "Wachtenbrink" in Damm der Schermbecker Politik Druck machen. Sie denken sogar über einen Marsch zum Bürgermeister nach. Foto: Jürgen Bosmann

Und was dieser von Campern hält, macht Terstegen jetzt noch wütend: "Der Bürgermeister sagte uns, dass die Gemeinde von den Campern nichts habe." Laut Terstegen gehen alle Mieter seit jeher in Schermbecker Läden einkaufen, Reparatur-Arbeiten werden von ortsansässigen Firmen erledigt. "Und deren Gewerbesteuern fließen in die Kassen der Gemeinde."

Der Dammer Geschäftsführer nimmt wegen steigender Betriebskosten bereits seit Jahren Umsatzeinbußen in Kauf – nur um die Miete nicht erhöhen zu müssen. "Kommt die Steuer muss ich mir einen Zweitjob suchen", sagt der 31-Jährige. Zu seinen treusten Kunden zählen die Rentner Manfred (64) und Angelika (62) Straberg, die auf der Anlage Wachtenbrink seit 41 Jahren vom Alltag abschalten. Gut möglich, dass sie ihren Mietvertrag kündigen müssen. "Wir wissen nicht, ob wir das schaffen. Jedenfalls werden hier einige abhauen", vermutet Angelika Straberg.

Die Zweitwohnsitzsteuer ist Gesprächsthema Nummer eins unter allen Schermbecker Campern. Viele erwägen einen Marsch zum Bürgermeister. Und sie wollen der Politik Druck machen.

Karin Strauch, Ehefrau des Geschäftsführer vom "Sybergshof" in Gahlen: "Das Vorhaben wird sich nicht rechnen. In Velen ist ein ähnliches gescheitert. Dort hat die Gemeinde zwar 40 000 Euro eingenommen, aber 60 000 Euro an Verwaltungskosten gehabt."

Fotos
Christa Beuting (71): "Ich will eigentlich nicht weg vom Campingplatz aus Damm, weil es einfach zu schön ist, um wegzugehen. Ich sehe das absolut nicht ein. Ich bin Witwe, bekomme eine kleine Rente. Wenn es noch teurer wird, wird es für mich ein richtiges Rechenexempel." Foto:
Marc Terstegen (31): "Schermbeck hat durch die Camper null Aufwand. Die Straßen in der Gegend sind in einem miserablen Zustand. Teilweise repariere ich manche Stellen selbst. Ein weiteres Problem: Es gibt keinen Nachwuchs. Der Großteil der Camper sind Rentner, bei denen das Geld ohnehin knapp ist." Foto:
Quelle: RP


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