Wesel: CDU Büderich wieder im Lot Jerich-Arbeiter sauer auf Verdi
VON HEINZ SCHILD - zuletzt aktualisiert: 22.11.2008Wesel (RPO). Wie ausgewechselt: Union des Polderdorfs demonstriert Harmonie. 100 Prozent für Jürgen Linz
als Ratskandidat. Wahlkampf-Kooperation mit Ginderich soll die linke Rheinseite stark machen. Große Teile der Belegschaft von Jerich sind verärgert. Die Gewerkschaft wollte angebliche Missstände bei der Logistik-Firma anprangern. „Die Vorwürfe sind völlig unbegründet“, sagt nicht nur der Betriebsratschef.Zwei Monate nach den Chaos-Wochen in der Weseler CDU ist auch in Büderich wieder Frieden eingekehrt. Der Ortsverband des Polderdorfs demonstrierte am Donnerstagabend geradezu auffällig Harmonie. Alle, auch die vor zwei Monaten Unzufriedenen, waren wieder da. Alle stehen hinter dem frisch ausgeguckten neuen Ratskandidaten Jürgen Linz. Wido Straetmans sagte am Ende, die Unruhe bei der letzten Sitzung sei falsch aufgefasst worden. Tatsächlich sei dem ehemaligen Vorstand vielmehr eine Last von den Schultern gefallen. Die Jungen hätten jetzt „von allen Alten volle Unterstützung“.
Klarer geht es nicht
Das freute natürlich den neuen Vorsitzenden Michael Nabbefeld, dessen Team Linz unangefochten durchbekam: 18 von 18 Stimmen. Ebenfalls 100 Prozent bekam Rainer Gellings als persönlicher Stellvertreter. Klarer geht es nicht. Jürgen Linz ist in Büderich verwurzelt. Der 46-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder. Hatte er 1989 seine Ausbildung bei der Stadt Wesel begonnen, so leitet er heute die gemeinsame Gemeindekasse für Alpen und Issum. Dass er im Neuen Kommunalen Finanzmanagement (NKF) fit ist, begrüßten Parteichef Dr. Heinzgerd Schott (Stadtverband) und Fraktionsvorsitzender Rudolf Spelmanns. Tambourcorps, Feuerwehr, Sebastianer, Pankratius, Koordinationsausschuss, Kirmesausschuss – die Liste der Linzschen Aktivitäten nahm kein Ende. Und Zuspruch, so Linz, habe er nach Bekanntwerden seiner Kandidatur schon erfahren.
Strafantrag Uphoff nicht zu retten
Werner Kiepe von Verdi hat nach eigener Aussage am 18. November gegen Jerich Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Duisburg gestellt, weil Betriebsratsmitglieder in ihrer Arbeit behindert und benachteiligt würden.
Kiepe arbeitet daran, die Vorwürfe gegen Jerich „zu beweisen und zu erhärten“.
Büdericher Fragen, ob die Stadt mit einer Bürgschaft den Erhalt der Sargfabrik Uphoff sichern kann, musste Fraktionschef Spelmanns mit Nein beantworten.
Der im Insolvenzverfahren steckende Traditionsbetrieb sei trotz aller Bemühungen der Belegschaft nicht zu retten, sagte er.
Linz geht mit guten Vorzeichen im Bezirk 24 / 1 und 2 an den Start. Das dürfte bei der Kommunalwahl auch für den Gindericher Franz Bothen gelten, dessen Wahlkreis 25/2 in Teilen nach Büderich hineinragt. Er warb für Kooperation der CDU auf der linken Rheinseite. Nicht nur der tue Stärke gut, auch der CDU im Weseler Rat, um die Geschicke der Stadt richtungsweisend zu bestimmen. Ebenfalls stellte sich in Büderich Andreas Ost vor, dessen Stadt-Wahlbezirk 18/2 (Zitadelle) ja kurioserweise diesmal auch ein Stück Büderich umfasst – südöstlich der B 58 bis zur Rheinallee. Der Ortsverband muss dieses Trio nun den Wählern bekannt machen.
Schott und Spelmanns berichteten vom Stand in Partei und Fraktion. Zum Thema Skulptur für Büderichs Markt meinte Spelmanns, dass man über Kunst immer streiten könne, das Problem aber „vor Ort“ zu lösen sei.
KREIS WESEL Auf Verdi ist Rüdiger von Gersum schon lange nicht mehr gut zu sprechen. Der Betriebsrats-Vorsitzende des im Emmelsumer Hafen in Voerde ansässigen Logistik-Unternehmens Jerich ist inzwischen aus der Gewerkschaft ausgetreten. Die dadurch eingesparten Mitgliedsbeiträge legt er lieber in Sparverträgen für seine Kinder an, wie er gestern der RP sagte. Dass Verdi auf angebliche Missstände bei Jerich aufmerksam machen will, erklärt der Betriebsratschef mit „Stunkmacherei“ und auch damit, dass die Gewerkschaft seit Jahren versucht in dem Voerder Betrieb Fuß zu fassen, bei der Belegschaft aber kein Bein auf die Erde bekommt.
„Ernsthaft erkrankt“
Werner Kiepe, Gewerkschaftssekretär des Bezirks Duisburg-Niederrhein, hatte für gestern zu einer Pressekonferenz in die Duisburger Gewerkschaftsgeschäftsstelle eingeladen, um dort Klartext zu reden. Zwei Jerich-Betriebsratsmitglieder, beide in der Gewerkschaft, sollten die Vorwürfe ebenso untermauern wie ehemalige Mitarbeiter. Kurzfristig wurde die Pressekonferenz gestern Morgen jedoch abgesagt, weil die Mitarbeiter, die „hätten aussagen wollen, ernsthaft erkrankt“ seien.
Etwa 30 Mitarbeiter von Jerich waren gestern aber mit einem extra gecharterten Bus zur Gewerkschaft nach Duisburg gefahren, um dort ihre Sicht der Dinge zu vertreten und klar zu machen, dass sie voll und ganz hinter ihrer Firma stehen, an den Vorwürfen nichts dran sei. Unfreundlich seien sie abgewiesen worden, sagte Kai-Uwe Schiemann, der seit vier Jahren bei dem Logistik-Unternehmen beschäftigt ist. Er ist, ebenso wie Alexander Koch, der seit sechs Jahren bei Jerich arbeitet, zufrieden mit seiner Tätigkeit und hat auch an dem Betriebsklima nichts auszusetzen. „Auch das Geld stimmt“, sagt Koch. „Doch die Gewerkschaft arbeitet gegen die Belegschaft“, findet Schiemann. Und von zweien der sieben Betriebsratsmitglieder bei Jerich fühlt er sich schon lange nicht mehr vertreten: Es sind die beiden, die der Gewerkschaft Verdi angehören.
Gegen Verdi und gegen Gewerkschaftssekretär Werner Kiepe ist die Firma Jerich inzwischen erfolgreich vor das Arbeitgericht Duisburg gezogen. In einem am vergangenen Mittwoch geschlossenen Vergleich hat die Gewerkschaftsseite sich verpflichtet, nicht mehr zu behaupten, Jerich „verstoße schon seit Jahren gegen demokratische Regeln, schrecke nicht vor illegalen Abhöraktionen, Drohungen und üblen Nachreden zurück“.
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