Wesel: Christmette für freien Glauben
VON INES KLEPKA - zuletzt aktualisiert: 27.12.2008Wesel (RPO). „Bleibt alles anders“: Jugendliche gestalten den traditionell etwas anderen Weihnachtsgottesdienst des BDKJ-Stadtverbandes Wesel erstmals in der Tenne auf dem Otten-Hof im linksrheinischen Gest.
Gesprengte Fesseln
Zur Erinnerung an die klaren Worte der Predigt bekam jeder Besucher ein kleines Andenken mit nach Hause.
Aus Metall-Ketten lösten die Jugendlichen die einzelnen Glieder heraus und übergaben jedem, der den Weg auf den Otten-Hof fand, ein Stück der aufgesprengten Fessel.
Ein leuchtend heller Stern über Gest: In der Heiligen Nacht wies schon von Weitem ein Gestirn aus Lichterketten an der Xantener Straße den Weg zum Otten-Hof. Zum 14. Mal hatte der BDKJ-Stadtverband Wesel zur ganz besonderen Christmette eingeladen; Premiere hatte die Feier diesmal auf der linken Rheinseite. In der alten Tenne, zwischen Holzbalken und Tannenbäumen, kamen die gut 160 Gottesdienstbesucher zusammen. Gut eingepackt in dicke Jacken, gerüstet mit Mützen, Handschuhen und warmen Decken ließen sie sich auf den Bierzelt-Bänken nieder.
Mit Band und Grönemeyer-Video
In den letzten Monaten hatte sich ein Team der jungen Leute aus Wesel getroffen, um die Messe vorzubereiten. Dabei war hier alles ein bisschen anders als bei der gewohnten Liturgie: Kreisdechant Karl-Heinz Mengedodt zog nicht mit großem Tamtam ein, sondern wartete schon am Altar auf den Beginn; nicht nur sanfter Kerzenschimmer, auch bunte Lichtinstallationen beherrschten die Szene. Die Jugendlichen am Altar trugen Anoraks und Jeans, keine Messdienergewänder. Für Musik sorgte die Band HimmelfahrtsKommando: Mit Neuem Geistlichem Lied ließ sie Modernes erschallen – auch wenn der Klassiker „Stille Nacht, Heilige Nacht“ nicht fehlen durfte.
Den Takt gab Herbert Grönemeyers „Bleibt alles anders“ vor: Unter dieses Motto hatte der BDKJ die Christmette 2008 gestellt. Immer wieder bezogen die Jugendlichen sich auf das Stück des Bochumer Sängers, das zu Beginn mit harten Rhythmen den Raum erfüllte. Auf der Leinwand, die neben Altar und Kreuz im Blickfeld der Gäste stand, erschien dazu das Musikvideo und reizte zum Nachdenken. „Wären wir heute nicht hier, sondern in China, müssten wir Angst haben, verhaftet zu werden“ – die Texte erinnerten an Menschen, die auch heute noch auf der ganzen Welt wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgt werden. In kommunistischen Nationen, aber auch islamisch geprägten Ländern werden Christen benachteiligt, unterdrückt. Dabei gab gerade der Heilige Abend mit dem Blick auf die Krippe Anlass zum engagierten Eintreten gegen Verfolgung: „Für uns steht das Kind im Vordergrund, nicht seine Religion“, betonte Andrea Behrendt in der Predigt.
„Durch ein Kind leuchten uns auf einmal die Ziele Gottes ein.“ Mit dieser Botschaft verband sie die Aufforderung: „Wenn alle Menschen das Kind in sich und in den anderen sehen, nicht wegschauen, sondern einsehen, erkennen, dass kein Kind aufgrund seiner Religion benachteiligt werden darf, dann sind unsere Ketten und Fesseln gesprengt, die Erwartung auf Veränderung in der Welt wird lebendig.“
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