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Wesel: Crefeld wirft Borcken hin

VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 16.05.2009

Wesel (RPO). Nach dem Schuldeingeständnis und dem drohenden Strafbefehl: SPD-Kreistagsfraktion drängte ihren Ex-Chef zum Rückzug von allen Ämtern. Der beugte sich dem Votum, verweigert aber weiter die politische Verantwortung.

Nach quälender Weigerung kam jetzt das politische Aus für Günter Crefeld.  Foto: RPO
Nach quälender Weigerung kam jetzt das politische Aus für Günter Crefeld. Foto: RPO

Günter Crefeld (62) gehört nicht mehr der SPD-Fraktion im Kreishaus an. Außerdem hat der Hamminkelner Genosse ab sofort auch sein Mandat im Niag-Aufsichtsrat niedergelegt. Als Grund für den lange erwarteten Schritt gibt Crefeld den in der Fraktionskassen-Affäre von der Staatsanwaltschaft angekündigten Antrag an, gegen ihn einen Strafbefehl zu verhängen. Der Ex-Fraktionschef hatte Anfang Mai gestanden, in der Zeit zwischen 1999 und 2004 Fraktionsgelder veruntreut zu haben. Dafür drohen dem Pädagogen im Ruhestand nun sechs Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

"Beschädigung meiner Person"

Crefeld ist mit seinem Schritt aber offenbar immer noch weit davon entfernt, die politische Verantwortung anzuerkennen. "Ich möchte eine weitere Beschädigung meiner Person und die Auswirkungen auf meine Familie beenden", heißt es in der knappen persönlichen Erklärung, die die Redaktion gestern Morgen erreichte. Eine weitergehende Stellungnahme lehnte Crefeld ausdrücklich ab. Hellmut Fischer, amtierender SPD-Fraktionschef und Nachfolger Crefelds, begrüßte den Schritt. Es sei die Fraktion gewesen, die Crefeld zum Rücktritt bewegt hat. In der Sitzung am Donnerstagsabend hatten die Genossen mit nur einer Gegenstimme den erheblich belasteten Ex-Chef zum Rücktritt aufgefordert.

Info

Im Wortlaut

Die RP druckt die Mitteilung im Wortlaut ab, mit der Günter Crefeld gestern das Handtuch warf:

"Nachdem die Staatsanwaltschaft nach Gesprächen mit dem Unterzeichner (Günter Crefeld) die Beantragung eines Strafbefehls aufgrund fremdnütziger Veruntreuung beantragen wird (s. Presseberichte der letzten Woche), habe ich mich entschlossen, mein Kreistagsmandat und die damit verbundenen Tätigkeiten mit sofortiger Wirkung niederzulegen.

Ich möchte damit eine weitere Beschädigung meiner Person und die Auswirkungen auf meine Familie beenden. Für eine weitere Stellungnahme stehe ich ausdrücklich nicht zur Verfügung."

Kein Rückhalt mehr

Der war wohl bis zuletzt davon ausgegangen, noch Rest-Rückhalt bei den einstigen Freunden zu genießen. Schon der Fraktionsvorstand hatte ihm vor der Großrunde aller Fraktionsmitglieder den Rückzug nahe gelegt. "Er hat gesagt, er wolle es sich überlegen und eine Nacht drüber schlafen", so Fischer. Nach dem eindeutigen Votum der Fraktion – Crefeld nahm an der Sitzung nicht teil – habe er am Abend per Mail seinen Rücktritt erklärt.

Fischer, der vor über vier Jahren den Prozess ins Rollen brachte, indem er die Kassenführung seines Vorgängers öffentlich machte und offiziell untersuchen ließ, äußerte "menschliches Bedauern für die Verstrickungen" des Geschassten. Doch die Rücktrittforderung sei "die logische Konsequenz" aus dem Eingeständnis der Schuld. Fischer bedauerte im RP-Gespräch, dass sein Vorgänger sich bis zuletzt nicht zu seiner politischen Verantwortung – "darum geht es vor allem" – bekannt hat. "Wir sind froh, dass die Verhältnisse geklärt sind", so der Fraktionschef mit Blick auf die Kommunalwahl mit spürbarer Erleichterung und der Hoffung, politisch "in ruhigeres Fahrwasser" zu kommen.

Quelle: RP

 
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