Wesel: Das dritte Gleis kommt
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 26.01.2011Wesel (RPO). Beim Ausbau der Betuwe-Linie gab's gestern den Durchbruch. Bund und Bahn sicherten im Projektbeirat zu, dass der Streckenausbau samt Lärmschutz umgesetzt wird. Die Finanzierung steht, sobald Planrecht erreicht ist.
"Das Thema Betuwe hat den Charme einer Zahnwurzelbehandlung", hatte Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf noch am Sonntag beim CDU-Neujahrsempfang in seinem Rathaus gesagt. Gestern saß er als Sprecher der Anrainer in Düsseldorf mit am Tisch, als sich dort der Projekt-Beirat (Bahn, Bund, Land und Kommunen) traf. Sein Schmerz hat erheblich nachgelassen. In der Landeshauptstadt gab's Balsam für die geschundene kommunale Seele. Bei dem Treffen bestätigte sich, was gestern bereits aus dem Verkehrsministerium durchgesickert war (RP berichtete). Der Durchbruch ist da: Drittes Gleis und Lärmschutz kommen. Die Finanzierung steht, sobald Planrecht erreicht ist.
Einspruchsmöglichkeit
Sowohl für die Blockverdichtung, die durch moderne Technik deutlich mehr Züge auf der Betuwe-Linie möglich macht, als auch für den Ausbau der Strecke ist eine Baugenehmigung (Planfeststellung) erforderlich.
In den Verfahren können Bürger ihre Anliegen und Einwände geltend machen.
Im Eiltempo zur Planfeststellung
Das will die Bahn nun im Eiltempo ansteuern. Ende 2012 soll das wichtige Etappenziel erreicht sein, so dass dann zügig gebaut werden kann. Gut ein Jahr vorher soll die Blockverdichtung kommen. Noch eher aber innovativer Lärmschutz – zunächst auf acht Kilometer Strecke in besonders dicht besiedelten Abschnitten. Noch in diesem Jahr.
Das bringe eine Lärmminderung um vier Dezibel. Passiver Lärmschutz soll auch vorgezogen werden. Die massiven Zweifel am Willen von Bund und Bahn, die Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen auszubauen, sind seit gestern weitgehend zerstreut. Prof. Scheurle, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sicherte verbindlich zu, dass das Projekt umgesetzt werde. Holger Schlierf, der als Sprecher der Anrainer-Kommunen an der Sitzung teilgenommen hatte, sagte erleichert: "Endlich haben wir Verlässlichkeit. Die Unsicherheit der letzten Monate ist klar in die Ecke gestellt worden", so Hamminkelns Bürgermeister im Anschluss an das Treffen.
Nachdem das Verkehrsministerium Ende vorigen Jahres das Verhältnis von Kosten und Nutzen für das Großprojekt im Bundesverkehrswegeplan deutlich herabgestuft hatte, waren erhebliche Befürchtungen laut geworden. Kritiker sahen das dritte Gleis und damit den Lärmschutz auf lange Zeit vertagt. Diese Sorge haben Bund und Bahn gestern offenkundig aufs Abstellgleis geschoben. "Das Gehuddele, ob und wann gebaut wird, ist vorbei", sagte gestern Abend CDU-Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss. Sie betonte, dass es wichtig gewesen sei, dass sie mit dem SPD-Abgeordneten Michael Groschek und Schlierf als Sprecher der Städte "an einem Strang gezogen" habe.
Deutliche Bewegung habe es gestern auch in Fragen der Sicherheit gegeben, stellte Schlierf erfreut fest. Wichtige Forderungen der Feuerwehren seien aufgegriffen worden. "Es war ein gutes Treffen mit verlässlichen Aussagen", bilanzierte er: "Wir sehen jetzt deutlich klarer."
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