Wesel: Das härtere Kabarett: Gebabbel vom Zausel
zuletzt aktualisiert: 10.05.2007Wesel (RPO). Die erste Erkenntnis über Deutschlands bekanntesten Zausel: Der kommt exakt wie im Fernsehen rüber, wo er den Kabarett-Renner „Aus der Anstalt“ moderiert und was auf der Bühne nicht jeder Comedian-Kabarettist von sich behaupten kann. Im proppevollen Bühnenhaus war daher der Wiedererkennungswert enorm, der Überraschungsfaktor gering. Urban Priol, der Dauerbabbler aus Franken, machte seinen Fans richtig Spaß. Auch wenn er nicht einer der Lockersten ist. Seine schlagfertigen, garantiert respektlosen Anmerkungen zur gesellschaftlichen Gegenwart sind manchmal bitter überdreht. Das befreit begonnene Lachen bleibt dann schon mal im Hals stecken.
Priol ist ein Unikum in der deutschen Kabarett-Szene. Schon optisch: Hinter der mittlerweile altersbedingt recht weiten Denkerstirn stehen ihm die Haare zu Berge. Die haarfestiger-gesteifte Pracht ist sein Markenzeichen und wirkt ein bisschen wie ein Heiligenschein. Was wiederum eine gezielt-ironische Täuschung ist, schließlich gehört der „Randbayer mit fränkischem Migrationshintergrund“ zu den schärfsten politischen Kabarettisten im Lande. Er ist in der von schrillen Comedians beherrschten (TV-)Welt eine Ausnahme. Priol legt sich wortgewaltig bis zynisch, bittersüß bis geschmacklos in Angieland gerne direkt mit der Kanzlerin Merkel und dem RAF-geschädigten Prädienten Köhler an. Der Kabarettist arbeitet sich in verbalen Witzattacken am liebsten an höchster Gegnerschaft ab.
Das tut er gekonnt, wenn auch häufig in scharfer Gangart und kabarettistisch harter Analyse. Die leicht-launige Hand ist nicht der Maßstab des fränkischen Grantlers. Drei Dinge nutzt Priol meisterlich. Bekannten politischen Namen heftet er ironisch knappste Mini-Charakteristiken wie zündende Werbebotschaften an. Ministerin von der Leyen ist die „Super-Nanny der Union“, die Grünen-Sprecherin Claudia Roth der „Betroffenheits-Flokati, der alle Kulturen inklusive der des Joghurts versteht“, Wolfgang Schäuble der „rollende Sheriff“ und Angie das „Besatzerliebchen“ vom G 8-Gipfel. Priols zweite Könnerschaft ist die Politiker-Parodie mit authentischer Tonfall-Garantie. Egal, ob als „Schnappschildkröte“ Merkel, als selbstüberzeugter Ex-Kanzler Schröder, als Phrasendrescher Westerwelle oder – immer wieder gerne – genial als stoibernder Ober-Bayer.
Der Politiker-Parodist
Drittes Muster ist das simple, aber wirkungsvolle und theatralisch anspruchsvolle Themenhopping de luxe. Das öffnet den Weg zum Alltagsthema, und so scheitert Priol manchmal menschlich wie sein Publikum. Am Callcenter, am Handyanbieter, am Bürokraten. In diesen Augenblicken wird Priol locker, ohne platt zu sein.
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