Hamminkeln: Der Steevens-Clan
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 14.04.2007Hamminkeln (RPO). Quasi als nachträgliches Geschenk zum 80. Geburtstag bekommt Gerd Stevens (86) in Mehrhoog jetzt Besuch aus Amerika. Es handelt sich um Nachfahren von Bernhard Stevens, Lehrer in Mehr, der 1854 ausgewandert ist.
Das Programm
Am 2. Mai landet die Maschine mit der Steevens-Delegation – acht Leute – in Deutschland. Zur Begrüßung, so Gerd Stevens, gibt’s für die Männer ’nen „Bahnekerl“ und für die Damen einen weniger scharfen „Sandhasen“, speziell Mehrhooger Magenbitter.
Natürlich steht eine Visite zum Stevenshof auf dem Programm. Und ein Sippentreffen bei einem niederrheinischen Brunch.
Auch Burgsteinfurt steht auf dem Reiseplan des Steevens-Clans. Rückflug: 6. Mai.
Die Stevens-Sippe in Mehrhoog gilt als ausgesprochen bodenständig und am Niederrhein fest verwurzelt. Doch es hat mal einen gegeben, dem gefiel’s als Dorfschullehrer und Kirchenmusiker in Mehr, wo noch heute der Stevenshof steht, aus irgendeinem Grunde überhaupt nicht mehr. Den Pädagogen Bernhard Stevens zog’s in die Ferne über den großen Teich. 1854 packte er als 28-Jähriger seine Siebensachen und schiffte sich ein nach Amerika. Einen Tag nach Weihnachten landete er am Mississippi in New Orleans und sah seine Heimat nie wieder.
Dass Knatsch mit der Familie der Grund war abzuhauen, „ist reine Spekulation“, sagt Gerd Stevens (86). Dass der Ur-Mehrhooger auf den rätselhaften Abschied dieses Ahn aufmerksam wurde, ist sozusagen ein Geschenk seiner Tochter Angela zum 80. Geburtstag. Die leitet in Zürich ein Hotel und hat vor gut sechs Jahren einen Ahnenruf ins weltweite Netz gestellt. Und siehe da: Es kam Antwort aus Amerika. Anfang Mai kommt eine Delegation des Steevens-Clans back to the roots. Gerd Stevens freut sich auf die familiäre Wiedervereinigung.
Der 86-Jährige, ohnehin heimatgeschichtlich stark interessiert, hat die zurückliegenden Jahre genutzt, die Historie seiner Sippschaft am Niederrhein zu erforschen. Die Anfänge bleiben im Dunkeln. Nicht belegte „mündliche Überlieferung“ spricht von zwei Stevens-Brüdern, die, aus England kommend, mit dem Schiff den Rhein hochfuhren und im Sturm bei Haffen gestrandet sind und sich als Bauern niedergelassen haben.
Verhältnis mit der Magd
Sicherer wird die Quellen-Lage, als 1782 auf dem Bartz-Hof in Mehr Sophie Bartz, fünfte Tochter des Heinrich van de Kamp, „genannt Bartz“, als Hoferbin den Johann Stevens ehelichte. Es wurde eine große Doppelhochzeit gefeiert. Judith Stevens schwor am selben Tag dem Henricus van de Kamp ewige Treue. Aus der Zeit gibt es eine Rechnung im Kirchenarchiv, ausgestellt vom Rendanten Hövelmann.
Dann kommt Gerd Stevens’ Urgroßvater Lambert ins Spiel, der als Hoferbe abgesetzt wurde. Sein Verhältnis mit der Magd Sofia Maas sei ihm zum Verhängnis geworden. Der enterbte „Heerbuur“ Lambert wurde auf eine „Kuckuckskate“ im sandigen Mehrhoog verbannt, durfte sich aber auf dem Stevenshof weiter als Tagelöhner verdingen.
Weiter führt die Ahnenspur über Sophies jüngste Tochter Gertrud, die Heinrich Ising aus dem Münsterland heiratete, Küster und erster Dorfschullehrer in Mehr. „Der starb aber sehr früh an Wassersucht“, hat Gerd Stevens herausgefunden. Die Witwe heiratete 1850 Bauer Heinrich Pollmann aus Wissel.
Vater von sechs Kindern
Amerika-Auswanderer Bernhard war Sophies jüngerer Bruder und hatte drei Jahre vor der Ausreise die Lehrerstelle in Mehr angetreten. Drei Mal heiratete der Lehrer und Organist in River Auy Vases, Missouri, zuletzt Mary Müscher, die ihre Wurzeln im westfälischen Burgsteinfurt hatte. Mit 67 Jahren starb der Amerikaner vom Niederrhein, Vater von sechs Kindern. 114 Jahre später kehren seine Nachfahren zum Stevenshof zurück.
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