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Wesel: Der Theater-Fotograf

VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 19.09.2008

Wesel (RPO). Von Knef bis Millowitsch: Peter Reiss hat seit den 60er Jahren Schauspieler fotografiert, die in Wesel auf den Brettern standen. Ein Teil der Aufnahmen ist zum 50-jährigen Bestehen des Bühnenhauses dort zu sehen.

Peter Reiss inmitten seiner  Foto: RPO
Peter Reiss inmitten seiner Foto: RPO

Irgendwann Mitte der 60er Jahre standen Willi Millowitsch, Hildegard Knef, Günter Pfitzmann und Volker Lechtenbrink in Wesel zusammen. Sie hatten gerade „Dally“ gegeben und viel Beifall dafür bekommen. Weil Applaus das Brot des Künstlers ist, war die Stimmung prächtig und die Gelegenheit für Peter Reiss günstig. Der knapp 20-Jährige Weseler zückte seine Agfa-Klick und machte eine Aufnahme von den vier Schauspielern. Das war für den jungen Mann kein Problem, denn er war Stammgast in den Theaterräumen, auch hinter den Kulissen. Dort begann seine „Karriere“ als Autogrammjäger, später kamen die Fotos dazu. Heute ist Peter Reiss 62 Jahre alt und seine Sammlung auf weit über 500 Fotos von Schauspielern gewachsen. Einen ganz kleinen Ausschnitt davon zeigt das Bühnenhaus derzeit anlässlich seines 50-jährigen Bestehens in einer Ausstellung im Foyer (RP berichtete).

Info

Beruf: Planer

Bis zur Rente war Peter Reiss als Planer in einem Ingenieurbüro für Heizung, Klima und Lüftung tätig.

„Die“ Rolle auf der Bühne ist für ihn der Hamlet.

Peter Reiss war Schüler am ehemaligen Staatlichen Gymnasium (heute Amtsgericht), als das Bühnenhaus 1958 eröffnet wurde. „Am schwarzen Brett der Schule hingen immer die Theaterplakate, und da sah ich, dass viele Darsteller, die ich vom Film kannte, plötzlich nach Wesel kamen“, berichtet Reiss. Dazu gehörten Hans Söhnker, Willy Birgel und Maria Wimmer.

Doch als Zwölfjähriger durfte Peter Reiss nicht ohne Begleitung in die Vorstellungen, außerdem fehlte ihm dafür das Geld. „Also habe ich mich eine Stunde vor Beginn der Vorstellung an den Eingang gestellt und auf die Schauspieler gewartet, um sie nach einem Autogramm zu fragen.“ An dem Jungen kam keiner vorbei, und nach und nach fanden sich viele große Namen in dem kleinen Buch, das er stets bei sich trug – allen voran Brigitte Mira, Gisela Trowe und O. E. Hasse.

1962, als 16-Jähriger, erlebte Peter Reiss dann seine erste Vorstellung im Weseler Bühnenhaus: „Feuerwerk“, eine Operette von Paul Burkhard. Das Programmheft mit den Unterschriften aller Darsteller, darunter Karl Schönböck, Benno Hoffmann, Willy Krüger und Christian Wolff, hat Reiss bis heute.

Die meisten seiner Aufnahmen entstanden Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre, als er für Wochenblätter Theaterkritiken schrieb. Das öffnete ihm auch die Türen in die Garderoben. „Ich habe keine großen Interviews mit den Schauspielern gemacht, sondern Smalltalk gehalten“, sagt Reiss. Dabei machte er die Erfahrung, dass sich jene, die als arrogant verschrien waren (zum Beispiel Götz George), als besonders nette Menschen entpuppten.

Ein besonders gutes Verhältnis hatte Reiss zu Inge Meysel, die er mehrmals traf. „Sie war frech und dreist, kam aber prima damit zurecht, wenn man sie auch so behandelt“, sagt der 62-Jährige. Einmal schrieb er ihr sogar eine Drehbuch-Vorlage mit dem Titel „Die Alte und der Junge“ auf den Leib. Meysel lobte das Stück, bedauerte aber, sie könne die Textmenge in ihrem Alter nicht mehr bewältigen.

Peter Reiss wäre selbst gern Schauspieler geworden, „aber mir fehlte die Traute“. Vor allem das Auswendiglernen nötigt ihm Respekt ab. Vor ein paar Jahren erlebte er Ingrid van Bergen als „Die Klatschmohnfrau“. „Sie stand zwei Stunden fast allein auf der Bühne – sagenhaft“, sagt Peter Reiss.

Jetzt geht er nur noch gelegentlich ins Bühnenhaus, um sich ausgewählte Stücke anzuschauen. Eine kleine Kamera hat er stets dabei. Denn man weiß ja nie, ob sich nicht eine gute Gelegenheit ergibt. „Ich sammle nicht“, sagte Peter Reiss, „ich nehme nur, was kommt.“ Ihm zu entkommen, ist unmöglich.

Quelle: RP

 
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