Wesel: Die andere Grundschule
VON HANNE BUSCHMANN - zuletzt aktualisiert: 04.03.2009Wesel (RPO). Die Montessori-Schule an der Gabainstraße ist im neuen Schuljahr fast ausgebucht. Leiterin Monika Barczaitis (45) beantragte jetzt den weiterführenden Unterricht bis Jahrgangsstufe zehn.
Ein Junge läuft an den Gartenzaun, mal eben gucken, wer da kommt. Der Garten der Montessori-Schule an der Gabainstraße ist ebenso ein Lernraum wie die Zimmer im Gebäude. Das wird der Besucherin schnell klar. Drinnen herrscht die Stille der Konzentration, draußen gedämpftes Beraten einer Gruppe Jungen, die eine Gartenecke für den Bau eines Teiches vorbereiten. Was sie dabei lernen? Gelände prüfen, ausmessen, die Abdichtungsfolie mitsamt Preis berechnen, die Bepflanzung mit boden- und klimaverträglichen Pflanzen und die spätere Pflege planen, Teamarbeit inbegriffen.
Notizen im Lerntagebuch
59 Kinder angemeldet
Gegenwärtig arbeiten in der Weseler Montessori-Schule zwei Lehrkräfte und drei Erzieherinnen, alle versehen mit Montessori-Diplom.
Für das nächste Schuljahr sind 59 Kinder fest angemeldet, für insgesamt 63 Kinder wäre Platz an de Gabainstraße.
Es läuft das Genehmigungsverfahren für eine Schule bis einschließlich zehnter Jahrgangsstufe.
Das könnte vielleicht in anderen Schulen auch geschehen, dennoch ist hier vieles anders, dazu freier dank kleinerer Lerngruppen. 48 Schüler, vier Jahrgangsstufen, lernen in ihrem je individuellen Tempo das, was sie gerade besonders interessiert – so gründlich wie möglich. Sie wollen ihren natürlichen Wissensdurst befriedigen. In ihr Lerntagebuch haben sie morgens früh notiert, was wichtig für sie ist. Das kann das kleine Einmaleins sein, das kann jener Teichbau sein, Vokabeln üben, ein Bild malen. Bei Schulbeginn lesen sie ihre Pläne vor. Drei Räume, die ineinander übergehen, stehen zur Verfügung: je einer vorrangig für Rechnen und Schreiben, einer für Mathe und Physik, der dritte als Atelier für Kunst, Musik, Spiel.
Es gibt keine generelle Pause. Die Kinder machen Pause in ihrem persönlichen Rhythmus. Um 12 Uhr ist Treffen mit Vorlesen aus den Tagebüchern, das bedeutet selbstverantwortliche Reflexion über das Erreichte, natürlich freiwillig. Manchmal liest ein Kind nicht vor, ist in der Regel nach einigen Tagen aber wieder dabei. Gegenseitiger Respekt ist ein selbstverständliches Gebot. Nach dem Arbeitstag steht schon mal geschrieben: "Ich habe es geschafft. Ich bin wie ein Tiger." Oder: "Morgen mache ich da weiter."
Von 7.30 bis 13 Uhr dauert der Arbeitstag, das offene, freiwillig anzunehmende Ganztagsangebot dauert bis 17/18 Uhr. Natürlich müssen zum Ende des vierten Schuljahres die Vorgaben des amtlichen Lehrplanes erfüllt sein. Monika Barczaitis (45), Lehrerin mit Montessori-Diplom, seit August 2008 Schulleiterin, vertraut wie die Eltern auf den natürlichen Erkundungswillen und die Erkundungsfähigkeit der Kinder. Zudem ist in dieser überschaubaren, deswegen sicherlich eher Geborgenheit und Vertrauen stiftenden Schule Platz für Erfahrungsfelder außer Lesen, Schreiben, Rechnen. Es gibt Angebote für Tanz, Rhythmus-Schulung, Kunst, Waldforschung, Sport.
Der Chemiker Dr. Jochen Jacob führt in naturwissenschaftliches Experimentieren ein, Anja Dreizehnter hat mit zwölf Schülern aus den gegenwärtig 48 ein Orchester bilden können. Geige, Cello, Klavier, Horn, Flöte, Gitarre, Saxophon und Orffsche Instrumente sind darin vertreten. Es gibt schon eine Schulhymne. Nur ein kleiner Einblick ist hier mitgeteilt.
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