Kreis Wesel: "Die faire Milch" soll's bringen
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010Kreis Wesel (RPO). Strategiewechsel: Milchbauern am Niederrhein setzen auf regionale Qualität statt auf spektakuläre Proteste. Davon soll nicht nur der Landwirt profitieren. Die Unwägbarkeit: Der Verbraucher muss mitziehen.
Neun Milchbauern am Niederrhein haben die Strategie gewechselt, um sich einen auskömmlichen Preis für ihr Produkt zu sichern. In den zurückliegenden Jahren haben sie unter dem Dach des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) auf die Kraft des spektakulären Protestes gesetzt und nicht davor zurückgescheut, ihre Milch in den Güllekeller abfließen zu lassen.
Doch sie blieben als Zulieferer der Molkereien weit vom angestrebten Preis von 40 Cent pro Liter entfernt. Die soll ihnen nun eine neue Vertriebsschiene bescheren, die zu Jahresbeginn in Süddeutschland angelaufen ist und nun als "Die faire Milch" den Markt in Nordrhein-Westfalen erobern soll. Offizieller Start soll am 24. September bei Rewe in Köln sein.
Die BDM-Aktivisten Rütger Holsteg aus Hamminkeln-Loikum und Christoph Kley in Hamminkeln-Wertherbruch sind zuversichtlich, dass der neue Weg sie endlich dem angestrebten Ziel ein gutes Stück näher bringt und ihren bäuerlichen Familienbetrieben eine auskömmliche Zukunft beschert.
Viel wertvolle Fettsäuren
"Die faire Milch", die von der Milchvermarktung Süddeutschland (MVS) an den Verbraucher gebracht wird, zielt auf den gesundheitsbewussten Milchtrinker mit Sinn für regionale Produktwege und für die Umwelt und die, die sie hegen und pflegen, die Bauern nämlich. Das Attribut "fair" meint ein Dreifaches.
Der Verbraucher bekommt Milch von Kühen, die garantiert genfrei futtern, deutlich weniger Kraftfutter als andere Milchkühe und viel frisches Gras von hofnahen Wiesen fressen. Soja aus Übersee ist tabu. Auch die Maisration für die Wiederkäuer wird gesenkt. So soll "Die Faire Milch" reich sein an wertvollen Omega-3-Fettsäuren. Weil auch die Landschaft profitieren soll, stünden der BUND und die Imkerverbände Pate, heißt es.
Ob die Rechnung der Milchbauern für ihr etwas teureres Qualitätsprodukt aufgeht, entscheidet sich am Kühlregal. Zunächst sei eine jährliche Abgabemenge von neun Millionen Liter mit Abnehmer Rewe vereinbart, so Rütger Holsteg.
Seien 70 Prozent erreicht, könnten weitere Milchproduzenten dazu kommen. Christoph Kley hält das Risiko, ohne Molkerei im Rücken zu vermarkten, für gering. "Die Resonanz am Stand auf dem Sommernachtsmarkt in Marbeck bei Borken hat uns Mut gemacht", so der Herr über 65 Milchkühe. Er ist überzeugt: "Nachdem unsere Aktionen unterm Strich wenig gebracht haben, glaube ich, dass die faire Milch einschlägt."
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