Wesel: Die Napoleon-Chaussee
VON GERD HEIMING - zuletzt aktualisiert: 12.04.2008Wesel (RPO). Der Kaiser der Franzosen ließ vor 200 Jahren die heutige B 58 zwischen Wesel und Schermbeck bauen. Sie war Teil einer Verbindung von Paris nach Hamburg. Dazu bereitet der Heimat- und Geschichtsverein eine Ausstellung vor.
schermbeck/Hünxe 1000 Schubkarren, 200 Rodehacken, 100 Spaten und 100 Harken: Die Ausschreibung aus dem Jahr 1811 zeugt von einem Großprojekt, mit dem ein Jahr später begonnen wurde. Zwischen Wesel und Drevenack-Peddenberg entstand ein schnurgerader Abschnitt jener Straße, die von Paris bis Hamburg führen sollte und den Namen „Napoleon-Chaussee“ trug. Der Kaiser der Franzosen ließ sie bauen, weil er damit ein strategisches Ziel verfolgte: die Kolonialherrschaft der Engländer zu brechen. Heute ist die Straße, die in Heeresbreite entstand, als B 58 bekannt. An ihre Entstehung erinnert der Heimat- und Geschichtsverein Schermbeck ab etwa Ende April mit einer Ausstellung, die gerade vorbereitet wird.
Meilensteine
Auch mit Meilensteinen wird sich die Schau im Heimatmuseum befassen. Damit wurden die preußischen Poststraßen markiert. Die Franzosen erwähnen sie nicht.
Erste Klasse
„Leider haben wir nur die Ausschreibungsunterlagen für das Stück von Wesel bis Peddenberg gefunden, nicht aber für den weiteren Abschnitt an Schermbeck vorbei bis Wulfen“, bedauert Hans Zelle, Vorsitzender des Vereins. Dennoch bietet das Material genügend Interessantes. So ordnet ein französisches Gesetz von 1811 die Strecke, an deren Verlauf sich bis heute fast nichts geändert hat, in die erste Klasse der kaiserlichen Straßen ein.
Für die Trassierung zwischen Wesel und Peddenberg war der Reeser Ingenieur Eversmann zuständig, die Landvermessung nahm Weinhardt aus Wesel vor. Für den Bau wurden Einheimische herangezogen. Deutsche Ingenieure in französischen Diensten überwachten die Arbeiten. Die Oberaufsicht hatte ein französischer Chefingenieur, der in Münster saß. „Für den Bau mussten private Eigentümer Grundstücke abgeben, ohne dass sie dafür eine Entschädigung bekamen. Außerdem wurde ihnen auferlegt, die Vermessungskosten zu übernehmen“, weiß Hans Zelle.
Die Franzosen hatten hier das Sagen, nachdem sie den rechtsrheinischen Teil Preußens und Westfalen ihrem Reich zugeschlagen hatten. Napoleon ließ entlang der heutigen B 58 Pappeln pflanzen, weil sie schnell wuchsen und den marschierenden Soldaten Schatten spendeten. Dazwischen standen Kirschbäume, die Wegzehrung lieferten. Um 1850, so Hans Zelle, seien die Pappeln durch Eichen und Kastanien ersetzt worden.
Route der Soldaten
Da war der Siegeszug von Napoleon längst zu Ende. Nach dem fehlgeschlagenen Russland-Feldzug erfolgte 1813 der Rücktransport des französischen Heeres und der dienstverpflichteten Deutschen über die Chaussee. Nach dem Rheinübergang im März 1945 zogen auch die alliierten Truppen über die Straße, die Napoleon bauen ließ. Ob auch der Kaiser diesen Weg genommen hat, ist unbekannt.
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