Hamminkeln: Die Stimme der Natur
VON INES KLEPKA - zuletzt aktualisiert: 08.05.2007Hamminkeln (RPO). Bundesweite Aktion Birdrace: Vier Vogelkundler aus Hamminkeln erkannten 110 gefiederte Arten am Zwitschern. Darunter waren alte Bekannte und absolute Raritäten auf dem Durchzug.
/ Wesel Über der Biostation in Wesel lässt ein Buchfink seinen Ruf erschallen. Er sitzt hoch in den Baumwipfeln, ist zwischen dem Laub nur schwer zu erkennen. Die Vogelfreunde von „Di-Bi-Di-Birder“ erfreuen sich am Gesang. Doch auf ihre Liste kommt er nicht: „Haben wir schon“, sagt Matthias Bussen lakonisch. Zusammen mit Frank Albrich sowie Arndt und Lukas Kleinherbers, mit 13 Jahren Jüngster in der Runde, war der Hamminkelner im Kreis Wesel unterwegs auf Vogelschau. Ziel war es, innerhalb von 24 Stunden möglichst viele verschiedene Vogelarten aufzufinden und zu erkennen.
Schon zum vierten Mal nahm das Quartett an der Aktion „Birdrace“ teil, die vom DDA, dem Dachverband Deutscher Avifaunisten organisiert wurde. In der ganzen Bundesrepublik waren zeitgleich Vogelfreunde unterwegs, um mit ihren Teams viele Vogelarten auszukundschaften.
Deutsche Meisterschaft
Über 330 Ornithologen in 90 Teams legten sich am Samstag zwischen Usedom und Breisgau auf die Lauer, um die gefiederte Vielfalt in ihrer Region in ihren Listen verzeichnen zu können.
Im letzten Jahr lag die Höchstzahl bei 159 Vogelarten in einem Gebiet – die Sieger kamen von der norddeutschen Küste.
„Sehr glücklich“
Die Gruppe aus Hamminkeln hatte am Samstag bis zum Mittag immerhin stolze 99 Vogelarten verzeichnet – und war damit sichtlichen zufrieden: „Für eine Binnenregion ist das auf jeden Fall sehr gut“, versichert Bussen, Wirtschaftspädagoge an der Akademie Klausenhof. „Wenn wir die 100 voll machen, bin ich auf jeden Fall sehr glücklich.“ Seine Hoffnungen wurden übertroffen. Denn am Ende waren es 110 gefiederte Arten.
Der Namen „Di-Bi-Di-Birder“ ergibt sich übrigens aus den Gebieten, in denen sich die Vogelkundler umschauen: Diersfordter Wald, Bislicher Insel und Dingdener Heide. Hier versuchten sie, die vielen Vogelarten voneinander zu unterschieden – mit geschultem Gehör und geübtem Blick. Ausgerüstet waren sie dabei nicht nur mit Klemmbrett und Stift, um zu protokollieren, was sie entdeckt haben, sondern auch mit einem Fachbuch zur Vogelkunde – und natürlich mit Ferngläsern und dem Spektiv, einem großen Fernrohr. Um sechs Uhr morgens ging’s los. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt: Das Wetter war ideal. Neben alten Bekannten fanden die Vogelfreunde auch Raritäten: einen Zug Steinschmätzer, der auf seinem Weg von Afrika nach Nordeuropa am Niederrhein Station machte. Ungewöhnlich: Raubseeschwalben, die Küstenregionen bevorzugen. „Das ist schon Zufall“, so Matthias Bussen. Durch das Birdrace, so hofft er, kann für die Vogelbeobachtung Interesse geweckt werden. „Ornithologe kann jeder werden. Es dauert, und man braucht Interesse, Ausdauer und ein gutes Gehör.“
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