Wesel: Die Zeichen stehen auf Alarm
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 20.11.2007Wesel (RPO). Köln ist überall. Der Beinahe-Amoklauf in der Domstadt alarmiert auch in Wesel Schulen und Behörden. Jetzt wird noch genauer hingeschaut, wenn es Anzeichen für Gewalt gibt. Doch Prävention ist kein Allheilmittel.
Das verhinderte Massaker am Kölner Georg-Büchner-Gymnasium hat bundesweit die Diskussionen um Amokläufe angeheizt. „Köln ist überall. Was dort beinahe eingetreten ist, kann uns auch jederzeit treffen“, sagt Wilfried Burggraf, Fachbereichsleiter Schulen beim Kreis Wesel und zuständig für Krisenprävention. Wie blank die Nerven liegen, zeigt ein Beispiel im benachbarten Hünxe. An der Gesamtschule hatten letzte Woche zwei 18-jährige Schüler der Gesamtschule über „Pläne“ für einen Amoklauf an ihrer Schule gejuxt. Der Staatsanwalt ermittelt. An Wesels Schulen herrscht nun Wachsamkeitsstufe eins.
Ab Januar Theater
Mit Hilfe eines Theaterstücks will der Kreis Wesel Schülern deutlich machen, dass es bei einem Amoklauf nur Verlierer gibt.
Das entsprechende Stück trägt den Titel „Amok.Loo“ (Loo für Loser) und wird im Januar und Februar 2008 von der Burghofbühne in allen fünf Berufskollegs des Kreises aufgeführt.
Gibt es Schutz, kann Aufklärungsarbeit nutzen? Seit vor fünf Jahren ein Schüler am Erfurter Gutenberg-Gymnasium ein Blutbad anrichtete, kümmert sich der Kreis Wesel um das Thema. Vor zwei Jahren bildete sich ein Arbeitskreis „Krisensituationen an Schulen“, in dem alle im Kreis Wesel tätigen Bürgermeister und Schulleiter zusammen mit dem Kreis und der Polizei Strategien erarbeiten, was präventiv getan werden kann und im Ernstfall zu tun ist. So gibt es ein Merkblatt und eine CD zum Thema „Verhalten im Amokfall.“
Hysterie in Hünxe
Klar, dass das verhinderte Massaker von Köln auch im Lehrerzimmer des Konrad-Duden-Gymnasiums Thema Nummer eins war. „Der Vorfall lässt uns nicht kalt. Das Problem ist, dass es kein Allheilmittel gibt, um eine solche Tat zu verhindern“, sagt Direktor Dr. Heinzgerd Schott. Natürlich mache man sich Gedanken, wie man mit jungen Leuten mit Gefährdungspotenzial ins Gespräch kommen könnte. „Man muss gerade mit Schülern, die sich vielleicht zurückziehen, reden, um Hintergründe zu erfahren. Aber vorsorgen in dem Sinne kann man nicht“, so Dr. Schott.
Sein Kollege Jürgen Berner vom Andreas-Vesalius-Gymnasium ist überzeugt, dass die Pädagogen schon seit Jahren alles dafür tun, Schülern mit möglichen Problemen zu helfen. In den Klassen fünf und sechs werde Gewaltprävention betrieben. Klassenlehrer würden den Kontakt zum Verbindungslehrer aufnehmen und in Einzelfällen auch Schulpsychologen einbeziehen. Berner: „Wir haben ein gutes Netzwerk, uns um unsere Kinder zu kümmern.“ Doch das hält nicht immer. Der aktuelle Fall in Hünxe zeigt, wie aus überspannter Hysterie und berechtigter Sorge eine explosives Gemisch entstehen kann.
Dort wurde die Schulleitung über die Äußerungen des Schüler-Duos („So was wie in Finnland machen wir hier auch mal“) informiert. Sie holte die Polizei. Die verhörte die Jungen mit dem Fazit, „dass es keinen ernsten Hintergrund gegeben hat“, wie Polzeisprecher Jürgen Müller erklärte. Das Schülerduo wurde zunächst vom Unterricht ausgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Gesamtschulleiter Klaus Ginter sagte: „Beide Geschichten sind nicht vergleichbar. In Köln gab es konkrete Verdachtsmomente, bei uns nicht.“
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