Wesel: „Dornröschen“ tanzt spitze
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 01.12.2008Wesel (RPO). Musik- und Kunstschule begeisterte mit märchenhaftem Ballett im Bühnenhaus. Farbenpracht und ein überragendes Schlussbild betörten das Publikum. Lehrern Lucia Lambach wünschte sich zum Abschied eine Zugabe.
Welche Ausdrucksform könnte den Zauber der Märchenwelt besser einfangen als das Ballett! All die Geheimnisse, die Pracht, lassen sich da auf ästhetische und sinnliche Weise erschließen. Dass auch eine Vorstellung mit Schülern soviel Atmosphäre erzeugen kann, bewies am ersten Advent im Bühnenhaus die Musik- und Kunstschule mit „Dornröschen“.
MKS-Lehrerin Lucia Lambach stellte ihre dichte Inszenierung zur Originalmusik von Tschaikowsky unter einen großen Spannungsbogen. Die Vielfalt an Kostümen in schillernden Stoffen hatte sie (fast) alle „in Nachtarbeit!“ selbst genäht. Die Choreografie bezog geschickt den Leistungsstand der jüngsten „Elevinnen“ ein. Selbst diese zeigten, fein trippelnd, als Röschen im weißen oder roten Tutu rhythmisch angepasste Ensembleschritte.
Abschied
Auf Wunsch der scheidenden Lucia Lambach, die in Wesel großen Erfolge hatte, sich nun aber verstärkt ihren Kindern widmen will, gab‘s als Zugabe Modern Dance nach „Breath easy“. Lambach: „Ich gehe ungern. Die Arbeit mit den Schülern war hervorragend.“
Prügel für den Küchenjungen
Bis Dornröschen und ihr Prinz den verliebten Pas de deux tanzen durften, bestaunte das Publikum farbenprächtige Szenen. Gleich zu Beginn streifte ein niedlicher Storch durchs Parkett, um anzudeuten, dass soeben am Königshof die Prinzessin geboren war. Das stolze Königspaar (Ehemalige der Ballettklasse) bewältigte mühelos seine noble Dauerpose.
In die Reihe der reizenden, oft humorvoll gewürzten Pantomimen gehörte der ungeschickt jonglierende Küchenjunge, der vom dicken Koch Prügel bezieht, weil er einen goldenen Teller zerbricht. Beim Entrée der bösen Fee wurden Fledermäuse eingeschleust, die grazil mit grauen Schwingen wedelten. Der Zeremonienmeister dirigierte schwungvoll die putzige Dienerschar. Später entzückten Verweise auf andere Märchen: Wolf und Rotkäppchen, die einträchtig Arm in Arm über die Bühne hüpften, oder Schneewittchen mit ganz vielen Zwergen.
Ein witziger Schimmel brachte den ersehnten Prinzen zur verwunschenen Burg. Etliche Gruppenszenen begeisterten: wie die im Walzertakt Rosengebinde schwingende Mädchengarde oder zu Harfenklängen mit Spitzhüten geschmückte „Guten Feen“. Die zeigte neben sauber geschrittenem „en dehors“ auch ein raffiniertes Schlussbild, das wegen ausgeklügelter Armstellung fernöstlich anmutete. Unter den Solisten überragte Marie Timmreck mit eleganten Pirouetten und Arabesquen im hauchzarten, subtil bösen Spitzentanz als schwarze Fee. Auch Lea Brüx zeigte als gute Fee anmutigen Spitzentanz. Zu hoffen bleibt, dass ähnliche Aufführungen künftig ihren festen Platz in der Vorweihnachtszeit behalten.
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