Wesel: Echter Doktor wird zum Esel
VON MARTHA AGETHEN - zuletzt aktualisiert: 06.03.2011 - 18:131500 erlebten am Samstag die Eselorden-Verleihung an Dr. Ludger Stratmann in der Niederrheinhalle mit. Gutes Programm: Der Kabarettist hatte sich selbst mitgebracht. Ewige Frage: Was haben Ruhris und Niederrheiner gemein?
Mit Turbogeschwindigkeit sprintete am Tulpensonntag die Eselordenverleihung 2011 los. Ein bunter Saal mit 1500 fantasievoll kostümierten Narren freute sich auf Ordensträger Dr. Ludger Stratmann. „Einen echten Doktor habe ich euch mitgebracht. Seine Doktorarbeit ist – inklusive Fußnoten – selbst gemacht “, begrüßte Stadtoberhaupt Ulrike I., getarnt als engelsgleicher Bote im weißen Gefieder, ihr Volk mit Blick auf Ereignisse im Verteidigungsministerium. „Wenn er im Bühnenhaus das Publikum therapiert, sind Lachfalten als Nebenwirkung garantiert.“ Seine Ernennung begründete sie so: „Er sagte: Leider gehört auch der Niederrhein zu NRW! Lieber Herr Stratmann, das tut weh! Ruhris und Niederrheiner haben vieles gemein. Spontan fällt mir die Vorliebe fürs Pilsken ein!“
Musik und Tanz
„Anker hoch“ hieß es beim Wuikingertanz der „Feldmarker Bauern“.
Gegen Ende gingen die Hände von „Take datt“ im Sturmtempo auf die Reise in niedere Gefilde; „Dicks seven“ und Peter Löper sorgten für Stimmungsmusik.
Spitzenkräfte incognito
Schnell hatte die RP ihre „Beamten incognito“ entdeckt: Kämmerer Fritz als Schotte und Beigeordneter Haarmann als Hippie. Stratmann kam, wie Wesel ihn kennt: „Ich komma mit mein Bein!“, aber fein gemacht in Anzug und Oberhemd. Husch, saß er auf dem Grautier und wunderte sich über die Ehre: „Einer, der mitte Sprache so wat von daneben umgeht, dass sich der Konrad Duden im Grab umdreht?!“ Er sah in einem logischen Musterschluss daher für die nächste Wahlperiode „schwarz“. Ulrike wollte er versöhnen: „Sie hätte es verdient, Ministerpräsidentin eines selbstständigen Bundeslandes Niederrhein zu sein!“ Büttenmarsch!
Dr. Stratmann hatte sich selbst als Kabarettist mitgebracht und erzählte von der Funkenmariechen-Retroshow aus dem „Kneipentheater“: „Von zehn acht tot und eins mit Hüfte im Krankenhaus“. Bleibt eins mit dem Sexappeal von 120 Kilo im Tüllröckchen! Was soll’s, ohne Fitness lebt sich besser. Noch kommt er ohne Badewannenlift aus und findet: „Die Zellen haben sich zum Gesamtkunstwerk Jupp entwickelt, auch wenn die Leberzellen schon unterm rechten Rippenbogen hervorlugen.“
Deshalb erholt er sich auf seiner Lieblingsinsel Norderney. „Ich und zwei Seehunde atmeten tief und fühlten uns pudelwohl. Da kam eine junge Frau, und die Balzmaschine aus den 70ern legte wieder los: ,Na , auch hier?“, flirtete er elegant. Schnell war Gesprächsstoff bei der Hand: „Da lag doch immer so’n altes Wrack!“ Sie: „Wieso lag?“
Hilla rockte den Saal
Im vielfältigen Rahmenprogramm waren vielfältige Weseler Eigengewächse (Info) ebenso vertreten wie auswärtige jecke Knaller. Gaststar Hilla Heien (Kleve) rockte deftig-trullig die Bühne in ihren besten „Plörren“ mit Wärmflasche unterm Rock. Sie erzählte, wie sie, frisch aus der Wanne, „inne nasse Buxe“, neulich das Jesuskind vor der Tannenbaumaktion gerettet hat, und berichtete von Opas 80. Geburtstag.
Da hatte er eine Stripperin eingeladen, die mit ihm zur Schule gegangen ist. Seither will Opa eine 27-Jährige heiraten. Aber dann! Hilla umwölkte sich mit einer knallgelben Umkleidekabine, schlüpfte Minuten später als lecker Mäuschen im Minirock wieder heraus und sang mit dem ganzen Saal: „Du hast da ein Konfetti!“
Ein spektakulärer Höhepunkt: Die Tanzwieselchen (KVC) führten ihre großartige Revue aus dem König der Löwen auf, die akrobatisch superfitten Tanzwiesel brachen wie eine Höllenbande in die Halle ein. Und die niedliche Kindertanzgarde der Kolpingfamilie wedelte frischen Wind in den Saal.
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