Wesel: Ehemalige jüdische Bürger in Wesel
zuletzt aktualisiert: 01.11.2008Wesel (RPO). Cilla David aus Haifa in Israel, deren verstorbener Mann Walter aus Wesel stammte, hat ihre Zusage gegeben. Sie kommt mit Sohn Doron und Enkel Ofer. Auch Ernest Kolman, der in Wesel aufwuchs und heute im englischen Greenford lebt, wird erwartet. Er war schon etliche Male in seiner Geburtsstadt. Erich Kupfer reist aus New York an. Seine Frau Ruth stammte aus der bekannten Weseler Familie Frankfurter. Kupfer wird begleitet von seinem Vetter Peter Kupfer. Die gebürtige Weselerin Cilly Meyberg macht sich mit ihrem Sohn David von San José in den USA auf den Weg nach Wesel.
David, Kolman, Kupfer, Meyberg: Diese vier ehemaligen jüdischen Mitbürger wollen auf Einladung der Stadt vom 7. bis 11. November nach Wesel kommen. Abgesagt hat Abraham Franck aus Jerusalem. Anlass für die Einladung ist der 70. Jahrestag der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, als auf Geheiß der Nationalsozialisten die Judenverfolgung einen neuen Höhepunkt erreichte – deutschlandweit und auch in Wesel, wo ebenfalls die Synagoge brannte.
1938 lebten in Wesel 75 Juden, 1939 waren es 46, 1943 keiner mehr. Diese Zahlen nannte jetzt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, die die Gäste am 7. November im Welcome-Hotel begrüßen wird.
1988 waren 16 ehemalige jüdische Mitbürger nach Wesel eingeladen worden, unter ihnen Cilla David, die nun, 20 Jahre später, erneut erwartet wird. Damals seien die Gefühle „zwiespältig“ gewesen, sagt Günther Faßbender, Vorsitzender des Jüdisch-Christlichen Freundeskreises. „Da trafen sich Täter und Opfer, und wir haben Verantwortung empfunden“, sagt der ehemalige Stadtdirektor, der 1929 geboren wurde. Dennoch sei es gelungen, vor 20 Jahren den Grundstein zu legen für eine Freundschaft, die heute auf einem festen Fundament stehe. „Die Aufarbeitung von Geschichte ist durch menschliche Brücken gelungen“, sagt er. Bis heute gehen Briefe hin und her. Viele Juden, die einst hier gewohnt haben, hätten Interesse an der Entwicklung Wesels, weiß Faßbender. Und: Nachfolgende Generationen der ehemaligen jüdischen Mitbürger setzten den Kontakt fort. Das sei ebenso ermutigend wie die Kontakte der Musikschule nach Israel.
Schwerpunkt des Programms in Wesel ist eine überkonfessionelle Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht am 9. November im Dom (15 Uhr). Dazu zählt am selben Tag (19 Uhr) das Erzähltheater „Jakob der Lügner“ im Bühnenhaus. Dem schließt sich der Lichtergang zum Mahnmal am Dom an. Die jüdischen Gäste werden am 10. November mit Schülern des Andreas-Vesalius-Gymnasiums und der Gesamtschule sprechen.
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