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Wesel: Ein Bach wird umgedreht

VON THOMAS HESSE - zuletzt aktualisiert: 10.02.2010

Wesel (RPO). Kopfbäume, plätschernder Bach, seltene Vögel: In Büderich ist die Breite Wardtley eine Öko-Nische. Nun wird Hand dran gelegt. Die neue Umgehung wird hier entwässert. Gehölzarbeiten starten jetzt, neue Natur folgt später.

So sieht die Breite Wardtley in Büderich-Gest an der Straße Zum Kolk zu verschiedenen Jahreszeiten aus. RP-Leser Johannes Knapp hat es festgehalten.  Foto: RPO
So sieht die Breite Wardtley in Büderich-Gest an der Straße Zum Kolk zu verschiedenen Jahreszeiten aus. RP-Leser Johannes Knapp hat es festgehalten. Foto: RPO

Wesel-Büderich Büderich liegt ländlich. Doch naturnahe Nischen gibt es rund ums Polderdorf wenige. In der Breiten Wardtley zwischen Bahnhofstraße und Venloer Straße (B 58) in Büderich liegt eine. Kopfweiden säumen ein Gewässer, das durch Grün sanft vor sich hinplätschert.

An das Stückchen linksrheinische Natur wird nun Hand gelegt. Im Frühsommer beginnt die Lineg (Linksniederrheinische Entwässerungs-Genossenschaft) mit der Umgestaltung der Breiten Wardtley. "Naturnah", sagt Ralf Kempken, Planungsingenieur der Lineg. Doch erst einmal kreist die Axt.

Grund: Wegen der bestehenden Wasserschutzzone muss die Entwässerung der neuen Umgehung B 58n besonders geregelt und das von ihr abfließende Nass gezielt in die Breite Wardtley eingeleitet werden, informiert Hans Löckmann vom Rheinischen Straßenbauamt. Das finanziert auch den Löwenanteil der Arbeiten (1,3 Millionen Euro).

Info

Steinkauz und Kibietz

Die Größenordnung des Projekts: 1500 laufende Meter Gewässerausbau; kalkulierte Kosten: 1,3 Millionen nur für die Breite Wardtley (inklusive Pumpanlage im Bereich der alten B 58). Die Fläche des Gewässers wird größer. Die Zahl der zu fällenden Bäume ist nicht bekannt, auch nicht die der neu anzupflanzenden.

Ökologisch wird die Kopfbaumreihe im Bereich Gindericher Straße als schützenswert eingeschätzt, die 45 Bäume sollen erhalten bleiben.

Der Steinkauz nistet hier, Kibietz brütet, Fledermäuse sind nachgewiesen, Amphibien zahlreich. Der landschaftspflegerische Begleitplan umfasst 60 Seiten, dort sind Tiere und Pflanzen aufgeführt.

Nebeneffekt: Der Bach, dessen Fließrichtung sich durch Bergschäden geändert hat und weitenteils eigentlich ein stehendes Gewässer ist, soll sich wieder Richtung Rhein bewegen. "Die Planung zur Umgestaltung wurde durch den Ausbau der Ortsumgehung Büderich ausgelöst", erklärt die Lineg. Das hier anfallende Niederschlagswasser werde zur Versickerung ins Gewässer eingeleitet. Der Eingriff in die Idylle ist keine zweckfreie Öko-Wohltat, sondern auch ein Stück Hochwasserschutz. An der alten B 58 wird ein Pumpwerk gebaut, um das Wasser des umgedrehten Bachs direkt via Rhein zu pumpen.

"Ökologische Aufwertung"

Was wird aus dem Büdericher Natur-Schmuckstück? "Durch die Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerdurchgängigkeit wird die Breite Wardtley eine ökologische Aufwertung erfahren", sichert die Lineg zu. Der heutige Wiesenbach soll ein fließendes Gewässer mit leichter Schlängelung werden. "Die Kopfweiden werden mit dem stillen Altgewässer als Totarm erhalten, der neue Bach wird herumgeführt", erklärt Kempken.

Die Pflöcke sind schon eingerammt: Hier fließt das Gewässer in der Breiten Wardtley künftig her und lässt die schützenswerten Kopfweiden rechts liegen. Pappeln und Sträucher werden im Bereich derzeit abgeholzt. Foto: RPO

Auf einer Wiese werden Streuobstbäume gepflanzt. Aber: viele Sträucher und Bäume fallen, weil eine neue Böschung angelegt wird. "Es soll ein variabler Böschungsbereich werden, mal steil, mal flach. Er ist erforderlich, um bis zur B58 durchgängiges Gefälle zu haben. Wir wollen möglichst wenig in den alten Baumbestand eingreifen", betont er.

Dennoch wird ab sofort gerodet, um die neu anzulegenden Böschungen zusammen mit der bestehenden modellieren zu können. Um mit den Bauarbeiten im Frühsommer beginnen zu können, werden schon jetzt umfangreiche Fällarbeiten durchgeführt, weil sie bis 28. Februar abgeschlossen sein müssen. Dann beginnt die (geschützte) erste Brutperiode. Auf weiten Strecken werden die Gehölze beidseitig auf den Stock gesetzt, also bis in Bodennähe gestutzt. So fällt "der schützende Charakter zur Wohnbebauung" vorübergehend weg. Aber 2011 wird neu gepflanzt und der "Sichtschutz wieder hergestellt".

Übrigens: Informationen für Anwohner gibt's vor Baubeginn im Frühsommer.

Quelle: RP

 
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