Wesel: Ein Leben fürs Automobil
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 04.03.2009Wesel (RPO). Die beiden Weseler Kfz-Meister Heinrich Schmitz (74) und Friedhelm Zacharias (73) erhalten heute den Goldenen Meisterbrief. Die RP hat sie im Vorfeld der Ehrung besucht.
Die beiden kennen sich seit mehr als fünf Jahrzehnten, sind in Wesel als erfolgreiche Automobilhändler bekannt, gehen alle drei Monate zusammen auf die Kegelbahn. Und heute erhalten Heinrich Schmitz (74) und Friedhelm Zacharias (73) aus der Hand von Innungs-Ehrenobermeister Erich Wellmann (78) in der Weseler Kreishandwerkerschaft jeweils einen Goldenen Meisterbrief. Denn vor genau 50 Jahren haben Schmitz und Zacharias in Flensburg erfolgreich ihre Meisterprüfung abgelegt, nachdem sie zuvor sechs Monate lang die Meisterschule im Holsteinischen Heide besucht habe. Eine anstrengende, aber auch sehr intensive Zeit, an die sich beide gerne erinnern. "Während der Woche mussten wir sehr viel lernen. Aber am Sonntag, da gingen wir aus, da wurde getanzt und wir hatten viel Spaß", erzählt Heinrich Schmitz, der noch immer täglich in seinem Autohaus in Schepersfeld (seit 1988) zu finden ist.
Geselle traf auf Lehrling
Blickt man auf die Lebensläufe der beiden Kfz-Mechaniker-Meister fällt auf, dass beide nie etwas anders werden wollten und früh als Unternehmer Verantwortung übernommen haben.
Heinrich Schmitz, der in Wertherbruch geboren und aufgewachsen ist, erlernte das Handwerk als 15-jähriger bei Auto Becher. Die 18 Kilometer von seinem Heimatort ins Nachkriegs-Wesel legte er zunächst mit der Fiets, später mit einer Horrex zurück. Als frisch gebackener Geselle heuerte der Sohn eines Fahrradhändlers 1954 bei Friedhelm Zacharias' Vater an, der an der Friedenstraße unter anderem Borgward-Automobile und BMW-Motorräder anbot. Bei dieser Gelegenheit lernte er den ein Jahr jüngeren Lehrburschen Friedhelm Zacharias kennen. Doch schon nach einem Jahr ging Schmitz zurück nach Wertherbruch, um dort mit dem Verkauf der damals beliebten Goggomobilen zu beginnen – mit gerade mal 20 Jahren.
Unabhängig voneinander meldeten sich Schmitz und Zacharias 1958 an der damals wie heute angesehenen Meisterschule in Heide an, die sie nach einem halben Jahr erfolgreich mit der Meisterprüfung in Flensburg abschlossen. Im Frühjahr 1959 zurück am Niederrhein, begannen beide ihre Karriere. Schmitz wechselt im Januar 1960 in die Feldmark, wo er zunächst an der Hamminkelner Landstraße Fiat-Vertragshändler wurde und vier Jahre später an der Reeser Landstraße neu gebaut hat. Zacharias, der nach der plötzlichen Erblindung seines Vaters mit 23 Jahren die Geschäfte übernahm, galt in Wesel lange Zeit als eine Art "Pkw-Gemischtwarenhändler". An der Friedenstraße bot er unter anderem Fahrzeuge von NSU, Peugeot und Renault an. 1984 wurde er BMW-Vertragshändler und investierte kräftig in den Umbau der Ausstellungshallen. Als 1999 die Bayerischen Motorenwerke erneut einen Millionen-Umbau forderten, weigerte sich Zacharias. Die Bayern schickten der Firma nach 70 Jahren die fristgerechte Kündigung ins Haus. Der Versuch, mit den Marken Subaru, Isuzu, Rover und MG am Markt erfolgreich zu ein, scheiterte. 2000 meldet Zacharias Insolvenz an.
Wie Schmitz, der in diesem Jahr sein Honda-Autohaus an seine Assistentin und Tochter Renate übergeben wird, hält Zacharias wenig von den derzeit diskutierten Rettungsplänen für Opel. "Hier gibt es Parallelen zu Borgward Anfang der 60er. Als die in Zahlungsschwierigkeiten gerieten, gab es Rettungsversuche, die misslangen. Für Opel könnte man sich höchsten vorstellen, dass nach Gründung einer Aktiengesellschaft der Bund bürgt."
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