Hamminkeln: Ein märchenhaftes Abenteuer
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 08.12.2007Hamminkeln (RPO). Porträt Der Hamminkelner Maximiliano Coloma-Seegers (10) steht in Duisburg mit Jasmin Wagner („Blümchen“) auf der Bühne. Der Waldorfschüler spielt mit im Musical „Vom Geist von Weihnachten“. Stricken ist nach der Musik seine zweite Leidenschaft.
Schon mit vier Jahren hat Maximiliano Coloma-Seegers aus Hamminkeln bewiesen, welch’ kräftiges Kehlchen in ihm steckt. Da hat er auf dem Stuhl gestanden, seiner Oma zum 80. Geburtstag „Happy birthday“ gesungen und die Festgesellschaft begeistert. Sechs Jahre später steht der zehnjährige Waldorfschüler nun auf der Bühne. Im Duisburger Theater am Marientor singt er vor über 1000 Zuschauern im Musical „Vom Geist der Weihnacht“ – nach der weltberühmten Erzählung von Charles Dickens über den hartherzigen, krankhaft geizigen Pfandleiher Ebenezer Scrooge. Der „Engel“ an Maxis Seite ist Schauspielerin Jasmin Wagner. Die hat in den 90ern als kesse Rocklady mit dem niedlichen Namen „Blümchen“ einen Hit nach dem anderen gelandet.
So kommt man hin
Vorstellungen gibt es im Duisburger Theater am Marientor (in Citynähe) bis Jahresende täglich (außer montags) um 19.30 Uhr. Samstags und sonntags beginnt auch jeweils eine Vorstellung um 15.30 Uhr. Für die Kinderrollen gibt es unterschiedliche Besetzungen.
Die Preise: Einzelkarten kosten zwischen 24 und 69 Euro, Familienpakete von 70 bis 220 Euro. Ticket-Hotline: 0180 5 55 24 12.
„Die ist wie alle anderen total nett“, erzählt Maxi, ältestes von sieben Kindern von Katja Seegers. Nach der ersten Probe sei Jasmin zu ihm gekommen, erzählt Maxi und habe ihn doll gelobt. Das hat gut getan. Star-Allüren habe niemand. Die Promi-Sänger würden die Kinder als junge Kollegen achten.
Himmlisches Lob
Besser als das himmlische Lob sei der Applaus, wenn alles gut gegangen ist, sagt der Zehnjährige. „Dann bin ich total erleichtert und suche im Publikum, wer alles da ist.“ Zwei Aufführungen von sieben hat er inzwischen hinter sich. Und jedes Mal war seine Mutter dabei, und sein Vater, der in Duisburg lebt.
Wenn der Beifall ertönt, fällt alle Last des Lampenfiebers ab. Nur nach der Premiere habe er nicht gewusst, was er machen sollte, als der Vorhang fiel. „Blümchen hat Maxi geholfen, ihn liebevoll beim Kragen gefasst und ihn nach vorne gebeugt“, erzählt Katja Seegers.
„Eine reizvolle Erfahrung“
Bei der Autofahrt hatte sie im Radio vom Casting fürs Weihnachtsmusical erfahren. „Ich hab’ gedacht, dass das eine reizvolle Erfahrung für meinen Sohn wäre“, sagt die siebenfache Mutter. Dass er es bis ins Ensemble schafft, habe sie nicht gedacht. Doch Maxis Stimme überzeugte die Produzenten. Der musikalische Knirps, der in der Musikschule Ringenberg Geige spielt, gehörte zu den 35 Kindern, die aus der Schar von 250 Bewerbern ausgesucht wurden – für zwei Rollen. Er spielt den jungen Scrooge, der vom herzlosen Vater gnadenlos auf Erfolg getrimmt und von den Klassenkameraden ordentlich getriezt wird. „Er hat nie erfahren, was Liebe ist“, sagt der junge Akteur.
Außerdem spielt Maxi einen armen Burschen, der am Ende vom geläuterten Geizkragen Scrooge den Auftrag erhält, für eine mittellose Familie einen Truthahn zu besorgen, damit sie richtig Weihnachten feiern kann – als Fest der Liebe. „Eine wunderschöne Geschichte“, findet Maxi, „die geht ans Herz.“ Neulich habe eine todkranke Frau im Publikum gesessen, erzählt er: „Weil wir das wussten, habe ich mich ganz besonders angestrengt.“ Maxi beherrscht seinen Part. Bei den „Putzproben“, bei denen kleine Unebenheiten ausgebügelt werden, hatte er wenig zu tun.
Ein lumpiges Kostüm
Dennoch ist der Aufwand für den Schüler nicht gerade gering. Nach der Schule geht’s zwei Mal die Woche für ein paar Stunden zur Probe. An der Dinslakener Waldorfschule gibt’s für ihn „Freikarten“ für die Hausaufgaben. „Die Lehrer haben großes Verständnis, auch weil’s ins pädagogische Konzept passt, fürs Leben zu lernen“, so Mutter Katja.
Nur sein lumpiges Kostüm als bettelnder Boy gefällt Maximiliano nicht richtig: „Die Hose ist viel zu weit, Schal und Mütze kratzen“, erzählt der Junge, der leidenschaftlich gern strickt. Doch das sind die einzigen Wehwehchen in der märchenhaften Weihnachtsgeschichte vom herzlosen Geizkragen, der im Alter die Liebe entdeckt.
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