Kreis Wesel: Ein Näschen für Explosives
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010Kreis Wesel (RPO). Der Belgische Schäferhund Tommy ist der erste Polizei-Hund im Kreis Wesel, der auch Sprengstoffe wittern kann. Der Malinoi kommt zum Einsatz, um Attentate zu verhindern. Auch bei der Waffensuche ist seine Nase unschlagbar.
Weil Tommy (3) ein gelehriger Schüler war, könnte FDP-Chef Guido Westerwelle in Wesel einigermaßen gefahrlos auftreten. Tommy ist Polizeihund und die erste Spürnase im Kreis Wesel, die einen Riecher für Sprengstoff hat. Das stellt der Belgische Schäferhund, ein Malinoi, gestern Morgen in der Weseler Niederrheinhalle eindrucksvoll unter Beweis. Die hatte Klaus Herbst, Koordinator der Diensthundegruppe der Kreispolizei Wesel, als Trainingsobjekt gemietet. Ein ideales Terrain: denn Sprengstoffspürhunde setzt die Polizei vornehmlich im Vorfeld von Auftritten mit Prominenten ein, bei denen Anschläge drohen könnten.
Enge Kooperation
Die Hundegruppe der Kreispolizei im Kreis Wesel arbeitet eng mit der Spürnasen-Abteilung im Kreis Kleve zusammen.
Während in Wesel acht Hunde Dienst tun, sind's im Nachbarkreis sechs. Kleve wurde mit Vierbeinern aufgerüstet, als der Flughafen Weeze in Betrieb ging.
Auf Tommys Näschen kann sich Herrchen Berthold Janssen verlassen. Der Hund hat seine Lektion gelernt. Im Nebenraum des Parkettsaals, wo Requisiten gefeierter Feste lagern, hatten die Hundeführer Explosives versteckt.
Extremer Spieltrieb als Ansporn
Nachdem ihm das Halsband abgenommen wurde, geht's für Tommy an die Arbeit. Er folgt dem Fingerzeig seines Herrchens. Seine Bewegungen sind voll freudiger Erregung. Der Hund geht im Wortsinnen über Tische und Bänke, kriecht furchtlos unter Decken und zwischen Kartons. "Der extreme Spieltrieb ist der Ansporn, die Aufgabe zu erfüllen", erläutert Klaus Herbst. Es dauert nicht lange: Tommy sitzt ruhig. Er hat was gefunden. "Man kann Tommy gut lesen", so der Hundeführer. Er holt einen mit Sprengkapsel ausgestatteten Nebeltopf hinter der Gardine hervor.
Als Lohn für den guten Job gibt's eine kleine Einheit Spielen mit dem Boss auf zwei Beinen. Auch die im Bollerwagen unter Decken liegende Pistole und das mit Spengstoff behaftete Handy, als Fernzünder benutzt, zu orten, ist für Tommy kein Thema. Drei Monate hat der drahtige Malinoi "mit dem Schalk im Nacken" im ostwestfälischen Schloss Holte Stukenbrock eine Spezialausbildung absolviert. Nun ist er für seine Einheit doppelt wertvoll. Er hat wie seine sieben Artgenossen in der Weseler Staffel eine "duale Ausbildung" durchlaufen. Der Sprengstoffspezialist ist wie die Drogenspürnasen auch ein ausgezeichneter Schutzhund, der Gewalttätern gehörig Respekt einflößt und sie im Ernstfall außer Gefecht setzt. Das demonstrierten Sandor Priebe mit Max. Der hatte zwar auf dem glatten Parkett im Saal einen extrem schweren Lauf. Aber im perfekten Zusammenspiel war der Fluchtversuch des "Attentäters" schnell gestoppt. Unterdessen präsentierte Hundeführerin Bettina Knipping die nächste Polizeihund-Generation. Auch wenn sich erst in ein paar Monaten herausstellt, ob Floyd das Zeug zur Spürnase hat, ist die Herkunft vielversprechend: Mama ist Polizeihündin in Rotterdam, Papa ein sportlicher Typ mit weltmeisterlichen Ambitionen.
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