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Wesel: Ein Ton wandert durch die City

VON THOMAS HESSE - zuletzt aktualisiert: 11.09.2008

Wesel (RPO). Guinnessbuch-taugliches Großprojekt: 600 Musikschüler sollen am Samstag kilometerlangen Ton-Transfer von Musikschule zum Großen Markt erklingen lassen. Oder tanzen. Das lässt sich nicht üben. Schulleiterin ist gespannt.

Das große Spektakel und der einzige Pianist der Aktion vor dem Stadtarchiv: Der wandernde Ton wird am Samstag – wie auf unserer  Foto: RPO
Das große Spektakel und der einzige Pianist der Aktion vor dem Stadtarchiv: Der wandernde Ton wird am Samstag – wie auf unserer Foto: RPO

Vor jedem großen Auftritt wird geprobt. Doch es gibt Dinge, die lassen sich nicht üben. Wie soll man es koordinieren, bis zu 600 Musikschüler zwischen drei und 19 Jahren quer durch die Stadt aufzureihen, damit sie den Kammerton A quer durch die City erklingen lassen?

Diese spektakuläre Aktion wird am Samstag, 13. September, ab 13 Uhr zwischen Musik- und Kunstschule an der Zitadelle bis zum Großen Markt ablaufen. Eine einmalige Sache, die reif wäre fürs Guinnessbuch der Rekorde. Klappt der Ton-Transfer, der eine Strecke von weit über einen Kilometer (nicht nur) klingend überbrückt und bei dem deshalb der Ton A eine Stunde lang halten muss? „Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall laufe ich mit einer großen roten Achtelnote mit Kopf, Hals und Fähnchen entlang der Kette, um das Tempo vorzugeben. Sonst reicht’s zeitmäßig nicht“, sagt Schulleiterin Beinke-Bornemann.

Info

Musiker-Kette

Die Musiker-Kette schlängelt sich von der Zitadelle über die Weimarer Straße und von dort am Dudel vorbei bis zur Kreuzstraße. Weiter geht es durch die Fußgängerzone (Viehtor, Brückstraße) bis zum Großen Markt.

Dort werden der Ton und alle Beteiligten kurz vor 14 Uhr erwartet. Das Jugendblasorchester der Musik- und Kunstschule nimmt den Ton auf und stellt sein musikalisches Können unter Beweis.

Erfinderin des Spektakels

Grund: Der eine macht vielleicht nur „Pling“, der andere hält sich ausgiebig ans Musizieren. Deshalb ist die Aktion auch eine logistische Herausforderung. Zu hören sind Violine, Bratsche, Violoncello, Klavier, Akkordeon, Posaune, Trompete, Oboe, Horn, Fagott, Klarinette, Querflöte, Saxophon, Blockflöte, Gitarre, Percussion, Stimme und Orffsches Instrumentarium. Da alle Abteilungen – Instrumental-, Ballett- und Kunstschüler ebenso die Musikalische Früherziehung – sich fürs große Ziel einsetzen müssen, nicht alle aber ein Instrument spielen, sind Alternativen beim Transport von Ton A nötig.

Mit dieser Note gibt Schulleiterin Beinke-Bornemann den Takt vor. Foto: RPO

Die Ballett-Ratten tanzen um 13 Uhr direkt vor der Musik- und Kunstschule in der Zitadelle den optischen Auftakt. Sie tanzen den Ton A bis zur Schillstraße. Damit der Klang nicht verunglückt, trägt die Chefin höchstpersönlich die Note über die vielbefahrene Schilstraße, um ihn dann vor dem Stadtarchiv einem Pianisten zu überreichen, der sogleich den Weg des Klangs eröffnet und ihn weiter zum Haupttorgebäude schickt.

Auch so eine Frage: Wie können alle Klavierspieler beteiligt werden? Schließlich wäre es zu aufwändig, Klaviere zu platzieren. Ganz einfach: sie erhalten Klanghölzer, die sie anschlagen. So bleibt das Piano vorm Stadtarchiv das einzige beim Ton-Transfer. Andere Instrumente folgen, feine Ohren werden die unterschiedlichen Facetten vom „A“ hören.

Damit die Schülerzahl reicht, hat Beinke-Bornemann auf dem Weseler Stadtplan die Strecke genau gemessen und die Zahl der Schüler pro Klasse abschnittsweise eingezeichnet. Ob alle 600 kommen, weiß sie nicht. Hunderte müssen es sein, um den Weg zu schließen und spektakulär der „Hier lang“-Woche einen wirksamen Höhepunkt zu verleihen.

Warum ausgerechnet der Kammerton A, den Streicher in Orchestern zum Stimmen nehmen? „Es hätte jeder andere sein können“, sagt die Schulleiterin. Sie ist die „ganz spontane“ Erfinderin des wandernden Tons, für den es ihres Wissens nach kein Beispiel gibt. Werbung für die Musik- und Kunstschule ist das Projekt allemal. Wer hören und zuschauen will: Die beteiligten Schüler sind an roten Base-Caps gut zu erkennen.

Quelle: RP

 
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