Hamminkeln: Eine Stimme wie ein Helikopter
VON ISABELL HÜLSER - zuletzt aktualisiert: 16.07.2010Hamminkeln (RPO). A-cappella-Sound vom Allerfeinsten: Die Freiburger Gruppe Unduzo zeigte beim Marienthaler Sommerabend, wie betörend Musik auch ganz ohne Instrumente klingen kann. Zuvor stand der Auftritt auf des Messers Schneide: Das Gewitter vertrieb die Jungs vom Klostervorplatz ins lila Zelt.
Hätte man die Augen geschlossen und den fünf Freiburgern gelauscht, man hätte eine voll ausgestattete Band auf der Bühne erwartet – so voll klang der Sound, den Till Schumann, Patrick Heil, Cornelius Mack, Julian Knörzer und Richard Leisegang an diesem Marienthaler Abend boten. Ein Blick auf die Bühne verriet allerdings: Instrumente brauchen die Künstler nicht. Höchstens imaginäre, an denen sie mit Handbewegungen die im Mund erzeugten Melodien nachfühlen. Unduzo, die Mittwochabend in Marienthal ein ganz besonderes Stück Kultur ins lila Kulturzelt holten, ist eine A-cappella-Gruppe.
Deren Themen sind keineswegs steif oder von Coversongs gespickt, vielmehr verstanden es die fünf Jungs, Alltagsthemen rund um den Frühling, die Liebe (auch die bereits erloschene) oder die Eigenarten von Mann und Frau gekonnt, textlich wie musikalisch, in Szene zu setzen.
Jiddische Klänge
Mittwoch, 21. Juli, 20 Uhr, kommen Klezmer Alliance. Die Gruppe steht für groovende Tanzmusik, originelle, wunderschöne Lieder, gespielt von leidenschaftlichen Musikern, die teils seit vielen Jahren jiddische Kultur erforschen, repräsentieren und neu schaffen.
Karten im Vorverkauf 19, an der Abendkasse 22 Euro.
Reservierung ab zwei Stunden vor Beginn unter Tel. 02856 9110.
So handelt ein Song von der Röschen-Unterhosen tragenden Monika. "Ohne Monika werd' ich zum Alkoholiker", heißt es, bis sich die Angebetete als Sächsin entpuppt, denn "sächsisch spricht sie ein Leben lang". Die junge Männer-Combo hatte das Publikum schnell gefesselt. "Es riecht ein bisschen wie Camping-Urlaub" zur Zelt-Atmosphäre. Dazu passte eine Ballade über Margarita, Calzone und schließlich Döner.
Als hätte er 'n Schlagzeug im Mund
Bei manchem Spruch waren die Jungs froh, dass es sich hier nicht um ein Pay-After-Konzert handelte. Zum Beispiel, als die Gruppe den Frühling aus Sicht des Astronomen, Gastronomen, des Mannes und der Frau im Kampf um die Bikinifigur besang. Beim Germany-Reggae war dann das Publikum gefragt: Sowohl beim Mitklatschten als auch beim Mitsingen. Auch der nicht ganz plötzliche Tod einer Blume, die ihr Leben aus Wassermangel verlor, kam gut an.
Nach der Pause gab es das ganze Leben, das Unduzo in drei Phasen zusammenfasste, in einem Song. Auch die letzte etwas schlüpfrige Strophe stieß in Marienthal auf offene Ohren. "Normalerweise hören wir da immer Buh-Rufe", stellten die Freiburger fest. Zudem brachten die Entwicklungen einer Ehe, die nach Gebrauch einer Kalaschnikow mit dem Erstellen eines Haushaltsplans endete, das Publikum zum Lachen. Beeindruckend war "Beat-Box" Julian Knörzer, der Alltagsgeräusche täuschend echt imitierte. Man glaubte, es würde ein Helikopter durchs kleine Zelt fliegen. Bisweilen erweckte er den Eindruck, als passe ein ganzes Schlagzeug in seinen Mund. Klar, dass das Publikum Zugabe von den preisgekrönten Männern forderte. Die gab's als Rock'n' Roll-Nummer.
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