Wesel: Einfach mitreißend: Glen Millers Sound
zuletzt aktualisiert: 12.11.2007Wesel (RPO). „It‘s always you“ – swingende Honneurs im Soft-Format an die Herzdame – schade, schade, so schmelzend umworben wie von Wil Salden wird die Damenwelt heute kaum. Samstag durfte sich das Publikum beim „Glenn Miller Orchestra“ erinnern an die 40er-Jahre des großen American Dream, als der Swing boomte und Glenn Miller seine kurze Topkarriere als Bandleader startete, bis er 1944 bei einem Flugzeugunglück umkam. Salden hat mit dem „Glenn Miller Orchestra“ sein offizielles Erbe angetreten. Die ganze Ära lebt auf – jeden Tag an einem anderen Ort in Europa in proppenvollen Sälen, auch jetzt im Bühnenhaus.
Ältere Semester wie jüngere Leute sind hingerissen vom eleganten Big-Band-Sound wie in „Rainbow Rhapsody“, angeführt von der stiltypischen Klarinette; vom peppigen Telefongeschnatter in „Pennsylvania 6-5000“, vibrierenden Tempo in „American Patrol“ und der Prise Verdi klassisch in „Anvil Chorus“. Sängerin Miett Molnar schlüpft schwipsig in die Rolle von Frank Sinatra, imitiert relaxed die schokoladige Masche in „Sentimental Journey“ (Doris Day).
Bestens jedoch trifft sie Sound und Verve von Ella Fitzgerald mit „They can‘t take that away from me“ und reißt beim legendären „That‘s Amore“ (Dean Martin) zu Beifallsstürmen hin. Den Teufel im Handgelenk hat Klaas Balijon, bedient mit Super-Sonderapplaus nach dem Percussion-Solo „All the cats“. Spaßvogel Wiebe Schuurmans, obwohl gefährlich nahe an den 80, swingt schwungvoll an Klarinette oder Sax („Rhapsody in Blue“), ist auch Seniorsänger der fünf Moonlight Serenaders. Hansjörg Fink zelebriert in „White Cliffs of Dover“ mit wellenweichem Timbre eine traumhafte Posaune.
Unzählige tolle Soli beleben das Programm, dabei die hinreißende Trompete von Marcel Reijs oder das bestechende Saxophon von Frank Jacobi. Dazu kommt wohldosierter Spaß; die Posaunen, die Pianist Salden bei „Tuxedo Junction“ pianissimo ins Ohr pusten und immer wieder die Zeigefinger hochrecken; last not least das ulkige Fingerflattern, mit dem Salden am Ende jeden Satz abwinkt.
Insgesamt eine herrliche zweistündige Nostalgiereise vom verträumten Moonlight Serenade bis zur finalen, sprudelnd kochenden Hochstimmung mit „In the Mood“, als es die Leute zum Schlussapplaus von den Stühlen reißt.
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