Wesel: Erinnerungen an Flugpionier
VON KLAUS NIKOLEI - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010Wesel (RPO). Peter Niehues, der Enkel des Weseler Flugpioniers und Gründers der ersten Fahrschule in Wesel, hat dem Stadtarchiv Unterlagen aus dem Nachlass des Gleitfliegers überreicht: historische Fotos, Postkarten, Zeitungsartikel.
Auf Dr. Martin Roelen, den Leiter des Weseler Stadtarchivs, wartet in den nächsten Wochen jede Menge Arbeit. Denn Peter Niehues (53), Sohn des bekannten Weseler Fahrlehrers Julius Niehues (1912 bis 1999) und Enkel des Segelflugpioniers Julius Niehues senior (1886 bis 1945), hat seiner Heimatstadt einen ganzen Stapel historischer Bilder, Postkarten, Bücher und Dokumente aus dem Nachlass seiner Vorväter zur Verfügung gestellt. Nicht zuletzt als Dank an die Stadt, die vor fünf Jahren eine Straße im Schatten der Reizensteinkaserne nach dem Gleitflieger und Erfinder benannt hat. "Die Schenkung dokumentiert ein wichtiges Stück Stadtgeschichte und wird unser Archiv bereichern", bedankte sich Bürgermeisterin Ulrike Westkamp gestern zusammen mit Kulturdezernent Wolfgang Jung bei Peter Niehues.
14 000 Fahrschüler
Von 1950 bis 1979 sind in der Fahrschule Niehues rund 14 000 Weseler ausgebildet worden.
Zunächst in den Nissenhütten an der Dinslakener Landstraße, später dann im Neubau an gleicher Stelle.
1979 trat Julius Niehues in den Ruhestand und verpachtet die Fahrschule, die bis zum heutigen Tag unter altem Namen an der Schillstraße weiterbesteht.
Abflugturm war bahnbrechend
Der Nachlass besteht zum einen aus Büchern, Postkarten und Fotos, die sich mit dem Leben von Julius Niehues senior befassen. "Mein Großvater, der bei einem der schweren Luftangriffe auf Wesel vor genau 65 Jahren ums Leben kam, war nicht nur der erste Fahrlehrer in Wesel und vielleicht sogar am Niederrhein, sondern entwickelte in seiner Freizeit als Gleitflieger die Vorläufer der heutigen Segelflugzeuge." Außerdem konstruierte er 1909 den in Fachkreisen berühmten Abflugturm in Oberhausen-Holten. Im gleichen Jahr präsentierte Niehues seine Modelle auch auf der Internationalen Luftschifffahrts-Ausstellung (ILA) in Frankfurt. Die original ILA-Denkschrift hat Peter Niehues bei Ebay ersteigert. Ebenso historische Postkarten und Fachbücher, in dem kurz über seinen Großvater berichtet wird.
Erfolgreicher Motorrad-Rennfahrer
Zweites großes Thema: die Geschichte der Fahrschule Niehues. Eine ganze Kiste mit Bildern, Zeitungsartikeln, Namenslisten aller Fahrschüler, Werbeanzeigen und Urkunden – Julius Niehues war ebenso wie sein Vater ein erfolgreicher Motorrad-Rennfahrer – hat der 53-jährige Immobilienmakler dem Archiv überlassen. "Es wäre schade, wenn diese Dokumente irgendwann verschwinden würden. Bei der Stadt bleibt alles langfristig erhalten", freut er sich aufrichtig.
Dr. Roelen wird nun das komplette Material sichten – darunter auch den Fahrlehrerschein von Julius Niehues –, sämtliche Bilder einscannen und nummerieren. Alles andere wird thematisch geordnet, trocken und vor allem lichtgeschützt in Kartons eingelagert. Wer sich für die Sammlung interessiert, kann sich an Dr. Roelen (Telefon 0281 1645403) werden.
Übrigens: Das Flieger-Gen hat sich nicht weitervererbt. "Ich bin noch nie mit einem Segelflugzeug geflogen. Meine Frau und die Kinder auch nicht", gesteht Niehues.
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