Hamminkeln: Feldschlösschen füllt in Wesel ab
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 03.06.2008Hamminkeln (RPO). Privatbrauerei konzentriert sich am Standort Hamminkeln aufs Kerngeschäft. Abgefüllt aber wird künftig auf dem Stams-Gelände in Wesel. Neuer Partner ist da die ebenfalls familiengeführte Hövelmann-Gruppe (Rheinfels) aus Walsum. Nun tun sich Chancen auf am westlichen Ortsrand.
Der Coup ist geglückt: Dass sich die Feldschlösschen-Brauerei aus der Enge im Dorf befreien würde, war lange erwartet worden. Doch die Richtung der Auslagerung kam jetzt sehr überraschend. Schließlich war es vor vier Jahren nach der Pleite des Fenster-Produzenten Knipping in Brünen mit erheblicher Unterstützung der Stadt gelungen, den Standort Stemmingholt für die Pläne der Privatbrauerei zu sichern. Jahrelang tat sich wenig. Die Flaschen-Bänder drehten sich weiter in der schmalen Verlängerung des Brauhauses, Brünen kam über die Rolle des Großlagers und Logistikzentrums nicht hinaus. Unabänderlich. Gestern ließ Feldschlösschen die Katze aus dem Sack. Die Abfüllung wird im Herbst „langfristig“ nach Wesel aufs Stams-Gelände verlagert. Gebraut aber wird weiter mitten im Dorf.
„Riesiger Schritt“
Was Geschäftsführer Wilhelm Kloppert gestern als „riesigen Schritt in die Zukunft“ bezeichnete, ist Ergebnis langer Vorbereitung. Das strategische Vorspiel: Stams stopfte die traditionelle Mercator-Quelle und verkaufte die Marke an die Hövelmann-Gruppe (Rheinfels). Die wiederum pflegt seit viele Jahren gute Kontakte zur Hamminkelner Privatbrauerei, die auf einem hart umkämpften Markt „einen starken Partner“ gut gebrauchen konnte. Vor einer Woche wurden die Verträge zur Gründung einer Produktionseinheit geschlossen. Geschäftführende Gesellschafter sind Diplom-Braumeister Wilhelm Kloppert und Lars Junker, zuletzt im Marketing und Vertrieb der Brauerei tätig.
Die Hövelmann-Gruppe, die eine Minderheitsbeteiligung hält, liefert als Beirat „wichtiges Knowhow und logistische Unterstützung“, so Kloppert gestern. „Wir können wertvolle Synergien nutzen“, so der Geschäftsführer. Ziel: „Durch ein umfangreiches Dienstleistungsangebot und eine optimierte Logistik soll eine expansive Unternehmenspolitik umgesetzt werden“, heißt es in der offiziellen Mitteilung.
In Wesel wird die vorhandene Infrastruktur zur Getränkeabfüllung derzeit nicht genutzt. In diese ideale Lücke geht jetzt Feldschlösschen, das Teile der Anlage mitbringt, aber noch erheblich in den Standort investieren muss. Über die Höhe des Invests wollte Kloppert gestern noch nichts sagen. „Wir rechnen noch.“ Klar ist, dass am neuen Standort die Zahl der Abfüllungen erheblich gesteigert werden kann. Im vorigen Jahr sind 43 Millionen Flaschen unterschiedlichster Größe gefüllt worden. Die Produktion soll nun kurzfristig auf 60 Millionen und langfristig auf 100 Millionen Flaschen gesteigert werden. „Weiter Ausbaureserven sind vorhanden“, heißt es in der Mitteilung. Das neue Duo hat die Stams-Immobilie langfristig gemietet, der Eigentümer betreibt weiter seinen Getränke-Fachgroßhandel und setzt ebenso voll auf Expansionskurs.
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