Hamminkeln: Firma Stadt rudert ohne Kurs
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010Hamminkeln (RPO). Statt zu steuern, macht die Führung des städtischen Eigenbetriebes auch nach zwei Jahren finanzpolitisch weiter einen orientierungslos hilflosen Eindruck. Politik verliert die Geduld und setzt Ultimatum für Jahresabschluss 2009.
Schon auf dem Weg zum Etat-Entwurf schlugen die Wellen hoch über dem städtischen Eigentrieb, der nur mit einer außergewöhnlichen Kraftanstrengung und schlagkräftiger Unterstützung sein Zahlenwerk noch eben rechtzeitig auf den Tisch brachte. Das war Ende vorigen Jahres. Gestern ging der Betriebsausschuss mit der ernüchternden Erkenntnis aus dem Rathaus, dass die Firma, die den Bauhof, das Kanalnetz und die städtischen Gebäude managt, auch finanzpolitisch weiter wie eine Nussschale orientierungslos auf hoher See dahindümpelt. Die Geduld der Politik, die auch gestern großmütig "Lernphase" in kaufmännischer Denke in Rechnung stellte, scheint aber aufgebraucht. Sie setzte der Firmenleitung ein Ultimatum: bis Ende März soll das Wirtschaftsjahr 2009 bilanztechnisch sauber abgearbeitet sein.
Neue Buchhalterin
Die Stadt hat inzwischen kaufmännischen Sachverstand eingekauft. Am 16. Februar beginnt ein ausgebildeter Finanzbuchhalter seine Arbeit im Rathaus.
Wie Kämmereileiter Robert Graaf bestätigte, handelt es sich beim Buchhalter um eine Buchhalterin.
"So kann man's vergessen"
Was selbstverständlich klingt, dürfte allerdings für die überfordert scheinende Betriebsführung eine hohe Hürde sein. Denn die legte gestern erst den Bericht fürs dritte Quartal 2009 vor, und fast noch fataler: Sie blieb fast alles schuldig, was die Politik an Klarheit und Tranparenz einfordert – gerade die aber gibt das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) vor zu liefern. Betriebschef Hans-Georg Haupt schwieg beredt, sein kaufmännischer Leiter Thomas Michaelis redete viel, blieb dabei nebulös, wich konkreten Nachfragen aus und suchte, hilfslos wirkend, Schutz hinter per Notebook und Beamer an die Leinwand projizierten Zahlenkolonnen.
"Wenn wir den Betrieb so steuern, brauchen wir nicht mehr zu kommen", bilanzierte mit einiger Bitternis Grünen-Sprecher Johannes Flaswinkel die Vorstellung auf der Verwaltungsbank. USD-Mann Helmut Wisniewski wirkte ratlos: "Müssen wir das alles so hinnehmen?" Jürgen Kraayvanger von der CDU war fassungslos, dass selbst Positionen mit einer ausgewiesenen Abweichung von satten 7851 Prozent (!) kommentarlos präsentiert wurden. "Wenn man Zahlen so bekommt, kann man sie komplett vergessen", formulierte er in einer Art schonungsloser Bankrotterklärung. Aufsichtsratschef Manfred Winter (SPD) zeigte sich zunehmend genervt, hat aber "immer noch Hoffnung".
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