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Kreis Wesel: Fischen auf dem Rhein

VON ULRICH BREITBACH - zuletzt aktualisiert: 22.12.2009 - 09:48

Kreis Wesel (RPO). Rudi Hell aus dem Örtchen Grieth am Niederrhein ist einer der letzten Rheinfischer überhaupt. Mit seinem Aalschokker „Anita” ist der fast 73-Jährige nach wie vor auf Fischfang ­ und dient damit der Wissenschaft.

Der fast 73-Jährige holt auf einem Aalschokker(das Bild zeigt ein anderes Boot) die Reusen vom Fischfang ein. Er ist der letzte Schokkerfischer in Nordrhein-Westfalen. Foto: Busskamp
Der fast 73-Jährige holt auf einem Aalschokker(das Bild zeigt ein anderes Boot) die Reusen vom Fischfang ein. Er ist der letzte Schokkerfischer in Nordrhein-Westfalen. Foto: Busskamp

Als Rudi Hell morgens um acht das Netz seines Fischerboots vom Typ Aalschokker heben will, traut er seinen Augen nicht: Die „Anita” ­ 18 Meter lang und vier Meter breit ­ liegt nicht dort, wo sie am Abend zuvor noch lag, sondern ein gutes Stück stromab. „Da ist wohl heute Nacht ein Schubschiff zu dicht vorbeigefahren und hat das Seil zerrissen”, erklärt der vollbärtige Graukopf und bleibt dabei bedächtig, obwohl ihm das noch nicht vorgekommen ist.

Drei Zentner in einer Nacht

Die beiden Anker haben gehalten. Auf dem Schiff schließlich platschen neben Kleinzeug einige Aale, ein Zander und eine chinesische Wollhandkrabbe in den Eimer. „Immerhin”, kommentiert Hell knapp. Er hat das Netz auch schon für weniger gehoben. „In den sechziger Jahren konnte man noch drei Zentner pro Schokker in der Nacht fangen”, erzählt er.Der fast 73-Jährige hat es als Kind noch erlebt, „wie die Schlepper je 20 Schokker den Rhein hochzogen und auf die einzelnen Stellen legten.”

Info

Fischen auf dem Rhein

Die hohe Zeit der Rheinfischerei war schon in den 60er Jahren längst vorbei, der Fisch entweder infolge der Verschmutzung des Rheins durch industrielle Abwässer ausgestorben oder ungenießbar wie der Aal. Heute bietet der Rhein wieder eine sehr gute Wasserqualität. Manche Arten wie etwa der Lachs sind zurückgekehrt.Nur der Aal macht sich rar. „Weil Tausende von Tonnen Glasaale, so heißt der Nachwuchs, in Holland gefangen werden. Nur noch wenige kommen stromauf”, ärgert sich Rudi Hell. „Sonst hätten wir Aal ohne Ende im Rhein.”

189 dieser Boote ­ benannt nach der niederländischen Insel Schokland, wo sie gebaut wurden ­ stellten noch in den 40er Jahren auf dem Rhein dem Aal nach und gaben ihren Besatzungen gutes Auskommen. Kaum vorstellbar, wie ertragreich auch der Lachsfang war: „Die Schiffe mussten vor Emmerich und oberhalb Rees vor Anker gehen. Dann wurde ein Netz, das war 30 Meter lang, durch den Rhein gezogen. Das trieb bis Grieth herunter und wurde dort beigeholt. Wahre Kaventsmänner von Lachsen waren da drin.”Von Grieth ging der Lachs in unzähligen Körben nach Düsseldorf in die Fischfabrik. Der ganze Ort hat damals vom Fisch gelebt.

Geblieben ist von der einst stolzen Rheinfischerei fast nichts. Rudi Hell ist einer der letzten Rheinfischer überhaupt und der letzte Schokkerfischer in Nordrhein-Westfalen. „Es sind die Gene”, antwortet Hell auf die Frage nach dem Ursprung seiner Leidenschaft fürs Fischen. „In meiner Familie wird nachweislich seit 300 Jahren Fischerei getrieben.” So ist er von klein auf mit dem Beruf vertraut gewesen, musste aber später sein Geld als Baggermeister eines Schwimmbaggers verdienen. Als Rentner konnte Hell endlich zurück zu den Wurzeln. „Tausende von Kilometern bin ich gefahren, um einen Aalschokker zu finden”, berichtet er von der Suche nach dem mittlerweile sehr seltenen Bootstyp.

Forschungsstation der Uni Köln

Er hat sich die „Anita” einiges kosten lassen. Der Volksernährung dient sie nicht mehr, aber der Wissenschaft. Der Fang geht unter anderem an die Forschungsstation der Uni Köln in Grietherbusch, die die Ökologie der Fische in heimischen Gewässern untersucht.Zehn Jahre will Rudi Hell auf seinem Aalschokker noch machen. Aber für Nachfolge ist gesorgt. Denn einer seiner Söhne hat es wohl auch, das Fischer-Gen.So wird eine alte Tradition am Niederrhein

Quelle: RP

 
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