Hamminkeln: Frauen können Karneval
VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 15.02.2007Hamminkeln (RPO). Reportage Die kfd in Hamminkeln verwandelte Pfarrsaal mit klasse Programm zur tobenden Narrenhalle – Männer hatten nix zu lachen – Nur der Alibi-Mann von der RP durfte live dabei sein – Heute Wiederholung
Ein Pfarrheim voller Frauen. „Einen Mann können wir verkraften“, sagt Claudia Swers. Klingt beruhigend. Neben mir sitzt Margot Schaffeld (83), die sich nach Jahren mal wieder zur katholischen Frauengemeinschaft (kfd) „aufgerafft“ hat. „Schön was los“, findet sie. Die kfd-Bütt gilt als heißer Insidertipp. Der Saal ist rappelvoll, die Luft tropisch. Beats aus der Box übertönen gespanntes Geplauder. Dann geht’s in die Vollen. Frau ist unter sich, Mann hätte nichts zu lachen. Gut, er hört’s ja nicht.
Veronika Korthauer im silberschwarzen Cut mit Zylinder moderriert routiniert. Das jecke Virus ist ihr in die Wiege gelegt. „Männer sind so bequem. Die kriegst du nur aus dem Haus, wenn der Sessel brennt.“ Und der Manni, der hat sich Soße aufs Hemd dröppeln lassen und moppert: „Ich seh’ aus wie ein Schwein.“ Beinharter Konter: „Bekleckert hast du dich auch.“ Voll nach dem Geschmack versammelter Weiblichkeit. Die erlebt den ersten Sitzungshöhepunkt. „Helmi“ (Helma Rüsken, 53), mehr muss Frau nicht sagen. Der Saal tobt. Seit 13 Jahren lässt das Naturtalent aus dem Kesseldorf bei der kfd die Tränen kullern. Die Mädels biegen sich vor Vergnügen. Diesmal kommt sie als verwöhnte Ehefrau: „Mein Gott, Helmi, was hast du nur für einen Fang gemacht.“ Ein begnadeter Auftritt. Die Körpersprache übertrifft den Wortwitz noch um Längen. „Mein Gott, Helmi ...“ Der Gag rennt. „Das dicke Ende kommt“, traut Margot Schaffeld dem Glück der Landfrau nicht. Helmis Traummann, der vom Spargel die hölzernen Enden isst und ihr die leckeren Köpfchen überlässt, ist nur geträumt. Der 83-jährige Fan von „Mainz, wie es singt und lacht“ ist überzeugt: „Besser als im Fernsehen.“ Helmi, eine Mischung aus Cordula Stratmann und der rustikalen Ausgabe von Eva Hermann, kriegt die erste Rakete.
Die zweite fliegt den Tratschtanten Anneliese (Katrin Rabeling) und Frieda (Claudia Swers) um die Ohren. Die beiden lüften Geheimnisse der Frau. Lieschen zieht ein Mieder aus der Handtasche. Frieda warnt: Da sitzt ein Mann. Ich! „Beeernfriied, datt glaub’se nich“. Der Saal brüllt. „Bis der das Dessus auf hat, ist der eingepennt.“ Publikumsbeschimpfung nenn’ ich das. Die Mädels machen ungeniert weiter, zeigen stattliches Bein, mit roten Weckgummis unterm Knie, die für den Sitz der Strumpfhose sorgen. Mann, oh’ Mann. Tosender Beifall für die „Missfits von Hamminkeln“.
Die „Missfits“ von Hamminkeln
Auf ’ner Wallfahrt schicken Weiber Stoßgebete zum Hl. Schikanus. Moral der Litanei: „Schick uns endlich einen Mann.“ Beten hilft nix. Die braven Jungfrauen fügen sich „in Gottes Namen“ ins ledige Schicksal. Die Moderatorin attackiert derweil männliche Eitelkeit. Tom rast im BMW von Null auf 100 in sechs Sekunden, Manni braucht im Ferrari nur vier. Dem Gatten reicht ein Wimpernschlag. „Auf der Waage.“ Lisbeth (Judith Skupin) und Käthe (Beate Vorholt) haben das Kapitel Männer abgeschlossen. Sie fragen sich, wie viele Punkte es braucht, bis Frau mit der „Churchcard“ in den Himmel kommt. Die Antwort kennt nur der Papst.
Beim Finale wird der Pfarrsaal zur WM-Arena. Mädels im Trikot von Schweini und Poldi tanzen zum Hit der Sportfreunde Stiller nach der Pfeife von Martina Bölting, „gegen die ein General aufm Kasernenhof ’n Weichei ist“. Margot Schaffeld sagt: „Ich komme wieder.“ Super!
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