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Hamminkeln: Freiheit für Schule der Zukunft

VON BERNFRIED PAUS - zuletzt aktualisiert: 14.02.2011

Hamminkeln (RPO). Bislang einmalig: Grüne als Rednerin bei SPD-Neujahrsempfang. Schulministerin Sylvia Löhrmann beschrieb gestern die Strategie, wie sie "Schule besser" machen will. Dabei setzt sie auf die "Kompetenz vor Ort".

Rot-Grün lokal: Die Grüne-Schulministerin Sylvia Löhrmann war gestern in Dingden Gastrednerin beim Neujahrsempfang der Hamminkelner SPD. Die stellvertretende Ministerpräsidentin stellt selbstbewusst fest: "Die Minderheitsregierung funktioniert."   Foto: RPO
Rot-Grün lokal: Die Grüne-Schulministerin Sylvia Löhrmann war gestern in Dingden Gastrednerin beim Neujahrsempfang der Hamminkelner SPD. Die stellvertretende Ministerpräsidentin stellt selbstbewusst fest: "Die Minderheitsregierung funktioniert." Foto: RPO

Der Neujahrsempfang der SPD in Hamminkeln ist noch ein zartes Pflänzchen. Mit der zweiten Auflage ist es den Genossen gelungen, einen Akzent zu setzen, der über den Tag und die eigenen Reihen hinauswirken soll. Nicht nur, weil die Gastrednerin eine Grüne ist. In einer unaufgeregten, inhaltlich starken Rede skizzierte Schulministerin Sylvia Löhrmann Grundzüge rot-grüner Schulpolitik. Ihr Selbstverständnis als Exponentin einer Minderheitsregierung formulierte die Vize-Ministerpräsidentin mit Goethe: "Alles Große und Gescheite existiert in der Minorität." Die Ausgangslage beschrieb sie so: "Schule muss besser werden – in der Spitze wie in der Breite."

Viel Beifall für die Grüne Ministerin: Die Hamminkelner Genossen hatten das Gefühl, ermutigt worden zu sein für die anstehende Schuldebatte vor Ort. Foto: RPO

"Leistung nicht zur Disposition"

Dass Schulerfolg weitgehend vom "Geldbeutel der Eltern" abhänge und ein Fünftel der Schüler keine Ausbildungsreife zu erlangen droht, sei "unerträglich" und "eine Schande". Sie fordert ein Umdenken. Heute sei es so, "dass Kinder in die Schule passen müssen", so Löhrmann. "Was nicht passt, wird passend gemacht oder aussortiert." Dabei müssten die Schulen dafür sorgen, dass sie zu den Kindern passen. Ziel müsse es sein, jedes Kind möglichst individuell zu fördern. Das brauche "Mut, Geduld und Qualifizierung". Lehrer hätten das nicht gelernt. Es gebe aber unter realen Bedingungen schon viele gute Beispiele, wo Pädagogen ihre Freiheiten nutzen und sich auf den Weg gemacht hätten. Beispiele für eine Lernkultur, die "Kinder konsequent in den Mittelpunkt stellt", müssten Schule machen. Es gehe nicht um eine "Pädagogik der Beliebigkeit", so die Ministerin: "Leistung steht nicht zur Disposition."

Wie sie sich den langen Weg zur Schule der Zukunft vorstellt, brachte Löhrmann ohne Pathos auf eine durchaus radikale Formel, die sich deutlich absetzt von bildungsideologischen Grabenkämpfen der Vergangenheit: "Eine veränderte Struktur allein verändert nicht die Wirklichkeit." Natürlich müsse Bildungspolitik an Strukturen arbeiten, aber Löhrmann setzt auch und vor allem auf die – nicht nur pädagogische, auch politische – "Kompetenz vor Ort". Sie sprach von "Ermöglichungsstrategie".

Es sei "ein Irrglaube", zentral zu bestimmen, wie über 6000 Schulen in NRW aussehen sollen. Der führe in die bekannten Gräben, in denen nichts mehr gehe. Ihr Glaubensgrundsatz lautet so: "Eine sich verändernde Wirklichkeit verändert die Strukturen." Schulen, die Kinder nicht mehr aus-, vor- oder einsortieren, "können heißen, wie sie wollen". "Entscheidend ist die Haltung", so ehemalige Lehrerin.

Klar, dass die Ministerin noch ihr Kind, die "Gemeinschaftsschule mit gymnasialen Standards", lobte. Das werde auch von CDU-Bürgermeistern gemocht. 17 Anträge seien inzwischen genehmigt, viele kämen bald aus den Schubladen. So sei das "ergänzende Angebot" schon jetzt "ein Markenzeichen" für die "funktionierende" Minderheitsregierung in Düsseldorf.

Quelle: RP

 
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